Oktober 2007
Nachdem ich Anfang September zum Geburtstag meiner Eltern (und meines eigenen) dasletzte Mal in Deutschland gewesen bin stand ein weiteres grosses Ereignis an: das Oktoberfest auf den Theresienwiesen in Muenchen, oder kurz: Wies’n. Mein Bruder hat mich das Wochenende vorher in London besucht, dem ich die ueblichen Orte und ein paar Pubs gezeigt habe. Anmerkung: in einem Pub, was eher eine Bar war, habe ich das bisher teuerste Bier getrunken – importiert aus Australien mit einer Fuellmenge von 333ml und einem Preis von ueber 3,50 Pfund pro Stueck, ohne dass es geschmeckt hat…
Meine Mutter hat mich vom Muenchner Flughafen abgeholt, der eine sehr gute Anbindung zur Stadt ueber die S-Bahn hat. Eine Alternative waere Nuernberg gewesen mit einem geringfuegig laengerem Anfahrtweg und guenstigerem Ticket, aber ich schaetze der Zug faehrt nicht ganz so oft wie die S-Bahn. Mit meinem Vater bin ich zu den Wies’n aufgebrochen, wo wir uns mit einem “Geschaeftspartner” getroffen haben, der die Plaetze im Festzelt organisiert hatte. Mit etwas Glueck und ein paar guten Beziehungen bekommt man um die 10 Monate im Voraus noch etwas gebucht
. Wegen Platzmangels entfiel die obligatorische Tasse Kaffe, inkl. Tasse, im Kaeferzelt und wir mussten uns mit 2 Weizen im Nymphenburgzelt begnuegen (Auflistungen der Zelte). Schon einmal ein guter Anfang. Nach einem Besuch beim Schichtl war es auch so weit das Hippodrom zu betreten, denn nach einer bestimmten Uhrzeit kommt man auch mit Reservierung nicht mehr rein. Bei solchen Reservierungen wird ein Verzehrgutschein aufgezwungen, der mit einer Platte Radi und Brezeln und einer anschliessenden Ente gut angelegt ist. Die Qualitaet ist sehr gut und bot eine Grundlage fuer die weiteren 3 Mass des abends. Unter dem Alkoholkonsum kann man sich auch erbarmen diverse Partylieder mitzugroehlen, die im nuechternen Zustand bei mir eher Suizidgedanken anregen. Es war ein sehr gelungener Abend.
Am naechsten Morgen ging es mir nicht ganz so gut und der Rueckweg war mir etwas entfallen. Trotz Bedenken mich auf der Strasse noch einmal uebergeben zu muessen habe ich die Innenstand etwas erkundet. Auf dem Viktualienmarkt gibt es mindestens drei Saftstaende, was genau das richtige in meiner Situation war. Gemaechlich bin ich dann zurueck zum Flughafen und nach Duesseldorf geflogen zum Umsteigen. Dieser Flughafen ist schon ein wenig sehenswert, vor allem hat in der riesigen, lang gezogenen Vorhalle ein Dame auf dem Klaiver gespielt, unterhalb des Starbucks Cafe. Das war ausserhalb der Sicherheitszone, was mir bei dem verspateten Flugzeug nichts gebracht hat. Den Duty Free Shop bin ich mindestens dreimal entlang gegangen. Gegen 22:00 war ich endlich wieder in Stansted gelandet und dank National Express gegen 23:00 wieder zu Hause in Golders Green.
Beim Oktoberfest hat mir etwas die formelle Hoeflichkeit gefehlt, wie ich es nenne. In London entschuldigt man sich wenn man angerempelt wird oder jemandem unabsichtlich den Weg versperrt. Man ist nicht wirklich hoeflich, sondern befolgt gewissen Sitten sich fuer jede Kleinigkeit zu entschuldigen, ausser vielleicht man schafft es gerade so den Kopf aus der schliessenden Tuer der ueberfuellten U-Bahn zu ziehen. Waehrend ich mich unter staendigem “Sorry” zur Toilette draengte, fand ich es ein wenig unfreundlich dass dies nicht erwidert wurde.