Gestern war ich wieder auf dem Friedhof in Brompton gewesen, da sie einen Tag der offenen Tür mit Führungen angeboten hatten. Eine ging in die Katakomben, in denen insgesamt 470 Leute begraben wurden, verglichen mit 200′000 in der Erde. Die Särge dort sind in drei Schichten aufgebaut. Zuerst der Behälter für die Leiche selbst, der anschließend mit einer Bleiummantelung umschlossen und versiegelt wurde um den Verfall der Leiche einzudämmen. Zum Schluß kam die sichtbare und deshalb aufwendig verzierte Verkleidung. Die Särge sind entlang eines Ganges unter der Erde auf mehreren Regalebenen gestapelt, identifizierbar an Hand einer angebrachten Metallplakette. Entgegen der Erdbestattung können Verwandte nahe dem Verbliechenen sein, weshalb die Katakomben auf täglichen Besuch ausgerichtet waren. Nebenbei war das eine willkommene Einnahmequelle, da diese Art der Bestattung etwas mit Prestige zu tun hat, was mit einer höheren Zahlungsbereitschaft verbunden ist.
Wegen des guten Wetters bin ich heute zum Highgate Friedhof, nahe der Haltestelle Archway, was auf dem anderen Zweig meiner U-Bahn-Linie liegt. So weit außerhalb wohne ich nun auch wieder nicht, aber die Fahrt mit dem Bus führt an richtigem Wald vorbei, keinem Stadtpark.
Der Friedhof besteht aus zwei Teilen, die durch eine kleine Straße voneinander getrennt sind. Der östliche Teil kann für 2Pfund besichtigt werden, Fotografieren kostet 1Pfund extra. Während der Hauptweg geteert ist, gibt es zahlreiche Seitenwege die etwas verwildert sind, weshalb nicht immer klar ist ob man gerade auf einem Grab steht oder nicht. Wenn man sich gleich nach dem Eingang so weit links wie möglich hält kommt man auf einen schmalen Pfad der ganz gemütlich ist und ein paar Motive zum Fotografieren liefert. Man kommt anschließend in der Gegend von Karl Marx heraus. Zwei Deutsche haben vermutlich Engländer – Er mit Hemd und Schlips und Sie in einem Sommerkleid – direkt neben dem Grab posierend fotografiert. Ich habe auf deutsch eine abfällige Bemerkung über die etwas unsozialistische Kleidung gemacht. Später haben sie mir angeboten, mich auch zu fotografieren, was ich wegen verschiedener politischer Orientierung dankend abgelehnt habe. “Hätt ja sein können” war die Antwort mit leicht sächsischem Akzent. Der von dem Weg umschlossene innere Bereich führt auf schmäleren Wegen an weiteren verwilderten Grabstätten vorbei und ist damit attraktiver als der Rest. Etwas berührt hat mich das Grab eines Jungen von drei Jahren, das nett hergerichtet war und quasi als Grabbeigabe Fruchtgummi auf dem Behälter mit der brennenden Kerze liegen hatte.
Nach knapp 2.5 Stunden bin ich auf die andere Straßenseite pünktlich zum Beginn der Führung über den westlichen Teil gegangen. Wegen mangelhafter Erfüllung von Vorschriften kann er nicht gänzlich der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Neben Brompton und fünf weiteren gehört dieser zu den zwischen 1833 und 1841 eröffneten Magnificent Seven die zur damaligen Zeit erstmals Begräbnisstätten außerhalb der Authorität der Kirchen angeboten hatten. Das Geschäft blühte bis zu den Weltkriegen als sich das Bewußtsein geändert hat und prunkvolle Ruhestätten als unangebracht empfunden wurden. Wegen ausbleibenden Einnahmen mußte der Betreiber die Pflege zunehmend zurücknehmen bis der Friedhof gänzlich aufgegeben wurde. Dank weiterhin andauernder freiwilliger Arbeit durch die Nachbarschaft konnte er wieder begehbar gemacht und 1981 wiedereröffnet werden. Wegen des Zustandes werden nur geführte Touren angeboten für 5Pfund pro Person; Kinder unter 8 Jahren haben keinen Zutritt. Die Fühererin zeigt die bedeutensten Gräber und erzählt ausführlich über ihren Kontext zu ihrer Zeit. Ein Weg vorbei an Gruften führt zu einem etwas ägyptisch gestalteten Areal wo weitere Gruften kreisförmig angeordnet sind. Der Besuch lonht sich, zudem hat man die Chance sich ein paar Schritte von der Gruppe zu entfernen um sich etwas genauer umzusehen.






