Archiv für die Kategorie ‘Bloomberg’

Harassment Awareness

Juli 14, 2007

Eine Pflichtveranstaltung für alle Neueinstellungen und Praktikanten ist Harassment Awareness, was so viel wie Belästigungsbewußtsein bedeutet. Durchgeführt wurde sie nicht vom Sexual Harassment Panda, sondern von einer Mitarbeitern des externen Unternehmens Olswang, das sich auf Rechtsberatung spezialisiert hat. Da es in der Vergangenheit allgemein zu einigen Gerichtsprozessen wegen Belästigung am Arbeitsplatz gekommen ist, wird bei Bloomberg besonderen Wert auf die Aufklärung und die Prävention gelegt. Es soll ja jeder Freude an der Arbeit haben und professionelles Verhalten ist eines der obersten Geboten im Unternehmen.

Im Wesentlichen ging es darum, wie man (auch ungewollt) seine Mitarbeiter belästigen kann und wie man sich in so einem Fall als Betroffener oder Teilhaber verhalten soll. Eigentlich folgt alles dem gesunden Menschenverstand wonach Kommentare und versendete Nachrichten, die auf Sexualität, Geschlecht, Religion, Herkunft usw. von jemandem abzielen, oder Mobbing als Belästigung gelten können und zu unterlassen sind. Das gilt auch, wenn man sich mit Kollegen nach der Arbeit im Pub trifft, da diese Zusammenkunft ohne die Zusammenarbeit nicht entstanden wäre und damit Teil des Betriebsklimas ist, so die Begründung.

Dieses Thema wird sehr ernst genommen und bei Problemen soll man mit seinem Manager oder gleich mit der Personalabteilung in Verbindung treten. Am Ende des 40minütigen Vortrages mußte jeder seine Anwesenheit durch eine Unterschrift auf der letzten Seite der ausgeteilten Zusammenfassung bestätigen.

Programmierer (C++) händeringend gesucht

Juli 5, 2007

Allgemein gibt es die erfreuliche Dauernachricht, daß die hohe Nachfrage an Informatikern noch weiter ansteigt, bei einem aktuellen Bedarf von 20′000 bis 30′000 in Deutschland. Am meisten sollen Softwareentwickler und Berater fehlen.

Schon am letzten Freitag, meinem ersten richtigen Arbeitstag in R&D, kam der Verantwortliche für die Personalbeschaffung auf mich zu, ob ich nicht mal etwas über deutsche Universitäten erzählen könne. Bloomberg sucht vor allem im Bereich R&D nach fähigen Leuten – Stellen für die es keine geeigneten Bewerber gibt werden auch nicht besetzt. Es existiert eine besondere Beziehung zu der Technischen Universität von Warschau, deren Studenten über die Hälfte der Praktikanten in der Abteilung ausmachen. Sonst weiß ich von keinem Polen, der in einem anderen Bereich eingestellt ist. Wie ich verstanden habe gibt es einen harten Konkurrenzkampf zwischen den Unternehmen, darunter Google (btw: drei Mahlzeiten, Waschen und Fitnessstudio gratis!) und nvidia, wobei letztere erst viele Studenten übernommen hätten. Während eines Einführungsvortrages wurde ein polnischer Student erwähnt der unbedingt im Unternehmen bleiben muß bis sein Projekt beendet ist bevor er weiterstudieren darf :-) .

Zu diesem Zweck habe ich mich gestern mit einer anderen Praktikantin von Human Resources (Ich hasse diesen Begriff!) getroffen, deren Aufgabe es sein wird mit Universitäten in Kontakt zu treten. Insbesondere werden C++-Programmierer gesucht. An vielen Universitäten, wie in Kaiserslautern, wird hauptsächlich mit Java gearbeitet, was aus dieser Sicht ein Problem darstellt. Ohne das jetzt weiter vertiefen zu wollen bin ich der Meinung, daß man als abgeschlossener Informatiker sich in neue Felder und Sprachen einarbeiten kann (und muß), aber aufgrund der Komplexität von C++ ist viel Erfahrung notwendig (Pointer, Templates). Aus diesem Grund sind eben viele Studenten aus Warschau vertreten.

Universitäten, mit denen es sich unabhängig von konkreten Programmiersprachen lohnt Kontakt aufzunehmen, sind meiner Meinung nach TU München, RWTH Aachen, Universität Karlsruhe, TU Darmstadt und TU Kaiserslautern. Letztere ist nicht aus Eitelkeit dabei, sondern ziemlich gerechtfertigt durch die vorhandenen Professoren, dem Schwerpunkt Software Engineering und den fachbereichsnahen Instituten Fraunhofer, MPI und DFKI.

Sie wird sich erst einmal mit den Unis in Verbindung setzen und nachforschen, ob dort geeignetes Humankapital (Human Resources) verfügbar ist. Ich würde mich jedenfalls sehr darüber freuen, wenn sich daraus ein Kontakt zu den Studenten in Kaiserslautern ergebe.

Meine erste Woche – Pizza und Sekt

Juni 30, 2007

Während der Vorträge habe ich mir ernsthaft überlegt, ob ich mit normalen Hosen und einem etwas sportlichen Hemd nicht doch unangemessen gekleidet bin. Für mich war das schon eine starke Veränderung, wer mich unrasiert mit Lederhose und T-Shirt von der Uni kennt. Alle Angestellten auf dem Stockwerk tragen etwas formellere Kleidung mit Schlips, obwohl sie den ganzen Tag im Büro sind. Am Donnerstag war ich sehr beruhigt als ich endlich in meine Abteilung kam wo einige nicht ganz so frisch rasiert oder mit einem normalen T-Shirt unterwegs sind. Mein Teamleiter ist auch ziemlich locker drauf. Die anderen haben sich beschwert, daß er seit Wochen von nichts anderem als seinem neuen Motorrad erzählen würde ;-) .

Am Freitag gab es das vierteljährliche, von der Firma bezahlte Pizzalunch für die gesamte Abteilung. Um 11.55am kam der Pizzamann von Dominos mit einer Sackkarre voller Schachteln durch das Stockwerk gelaufen und hat sie an verschiedenen Punkten verteilt. Jeder hat vorher einen Pappteller bekommen und konnte sich formlos überall bedienen.

Gegen 05.00pm sind plötzlich aus allen Richtungen Leute in Richtung Cafeteria geströmt, wo zu einem bestimmten Anlaß kostenlos Sekt an jeden verteilt wurde. Den genauen Grund kenne ich zwar nicht, es hatte aber etwas mit dem Übertreffen von gesetzten Unternehmenszielen zu tun gehabt. Das ist auch eine Art der Motivation.

Ich schaue immer merkwürdig wenn ich weiß, daß ich fotografiert werde. Vielleicht habe ich auch etwas zugenommen…

Ausweis

Ich mit Ausweis

Meine erste Woche – Einführung

Juni 30, 2007

Nach dem ersten Tag fanden entsprechend der Abteilung der man zugeordnet ist Vorträge über das Bloomberg Terminal statt. Jeder benutzt das System unterschiedlich, so ist eine Abteilung für die Aktualität und Richtigkeit der bereitgestellten Daten verantwortlich und eine andere für den Verkauf bzw. den Kundenservice. Da ich in Research&Development (kurz R&D) bin, fanden bis Donnerstag eine Reihe von Vorträgen über den technischen Hintergrund, den Aufbau und das Bereitstellen von Anwendungen statt, ergänzt durch praktische Übungen. Wegen mangelnder Standards zum Zeitpunkt der Umsetzung einer Funktion wurde sehr viel im Unternehmen selbst entwickelt, insbesondere während der Anfangszeit. 1982, als das Bloomberg Terminal gestartet wurde, das bis heute Kernprodukt und Rückgrat sämtlicher Dienste ist, war das Internet noch über ein Jahrzehnt entfernt.

Am Donnerstag Nachmittag habe ich schließlich erfahren welchem Team ich zugeordnet bin. Im weiteren Sinne ist das “Trading Systems” und genauer “Batch Feeds”, was mit dem regelmäßigen Erzeugen von aggregierten Daten für verschiedene Kunden zu tun hat. Meine Aufgabe ist noch ziemlich unspektakulär und besteht nach dem Erlernen von Perl (bisher keine Ahnung davon gehabt) in dem Verarbeiten zweier Textdateien. Wie es auch an der Uni sein sollte reicht das bloße Lösen des Problems nicht aus, sondern das Programm soll auch effizient arbeiten. Noch wichtiger ist das für viele Funktionen im System, die komplex sind und sehr oft am Tag aufgerufen werden, denn die Reaktionszeit ist für den Kunden, beim Anzeigen eines Kursverlaufes zum Beispiel, sehr kritisch. Im Januar fand ich es ziemlich faszinierend wie schnell die Daten für einen bestimmten Wert und über einen bestimmten Zeitraum verfügbar waren.

Mein erster Tag

Juni 27, 2007

Nein, ich habe mir noch nichts angetan ;-) . Bei Arbeitszeiten vom 8am bis 6pm, inklusive einer Stunde Mittagspause, hatte ich bisher keine große Lust gehabt diesen Beitrag fertigzustellen. Deshalb ein kurzer Abriss des ersten Tages. Zum Wochenende kommt noch etwas über diese Woche hinzu, sowie was Bloomberg eigentlich ist und was hier gemacht wird.

Am Montag war es nun endlich so weit. Nach dem Bewerbungsgespräch im Januar, der Zusage in der darauffolgenden Woche, dem Papierkram, der Wohnungssuche im Mai, dem Umzug am vorletzten Wochenende und der ersten Woche Eingewöhnung in der Hauptstadt Englands und dem “Vereinigten Königreich von Großbrittanien und Nordirland” ging es endlich los. Zwei Wecker waren extra früh gestellt damit ich an meinem ersten Tag bloß nich zu spät komme, denn im Januar wurde es ziemlich knapp als 20min lang einfach so keine U-Bahn vorbeikam. Ohne Zwischenfälle bei der Haltstelle Moorgate angekommen fand ich mich eine halbe Stunde zu früh im Starbucks um die Ecke bei einer Tasse heißen, leckeren, schwarzen, so richtig heißen Kaffee wieder. Schließlich bin ich um 7.40am zu Bloomberg hinübergelaufen wo sich bereits einige angehende Praktikanten in der Lobby befanden. Mir war die Kleidung recht locker (am ehesten als smart casual zu bezeichnen) in Erinnerung, weshalb ich mich entsprechend gekleidet hatte mit einer normalen Hose und einem kurzen Hemd, sonst nichts weiter. Der Abteilungsleiter saß mir damals mit einem strammen T-Shirt gegenüber. Ich kam mir hier etwas daneben vor, denn bis auf vielleicht vier weitere trugen allen anderen Anzüge bzw. Kostüme…

In dem Gebäude wird sehr viel Wert auf Sicherheit (mehr im Sinne von “security” als “safety”) gelegt, weshalb jedes Individuum einen Ausweis tragen muß. Sämtliches angestelltes Personal muß ständig und offen sichtbar seine Karte mit Name und Foto tragen womit auch das Verlassen und Betreten des Gebäudes unter Aufsicht registriert wird. Im Eingangsbereich sind deshalb um die vier Sicherheitsleute postiert, aber unauffällig und verteilt. Bei dem Bewerbungsgespräch im Januar habe ich einen nicht-elektronischen Gastausweis inkl.direkt aufgenommenem Foto bekommen, mit dem man sich nur in Begleitung von Mitarbeitern bewegen darf. Dergleiche wurde für den ersten Tag wiederholt ausgestellt. Die erste Handlung war daher das Erstellen eines neuen Fotos für den permanenten Ausweis zur freien Bewegung und zum Öffnen der wenigen Türen. Anschließend gab es ein kleines Frühstücksbuffet mit Kaffee, Saft, Croissants und ähnlichem bei dem man schon mit den ersten Leuten ins Gespräch kommen konnte. Eine sehr gute Idee fand ich den “Eisbrecher”: Jeder hat einen Bogen mit fünf Fragen, darunter wer am nahesten zu einen wohnt oder wer auf dergleichen Hochschule war, bekommen, den man durch Reden mit den Praktikanten ausfüllen sollte. Das war eine gute Gelegenheit ein paar Leute etwas näher kennezulernen und etwas mehr übereinander zu erfahren.

Bis zum Mittagessen gab es, begleitet von Pausen, kurze Vorträge über die Bezahlung (sowie dem damit verbunden Papierkram wie Bankdetails, das P45, P46, P38 und P86 :-D ), die Sicherheit im Gebäude, sowie was es heißt bei Bloomberg zu arbeiten und wie sich das Unternehmen und die Mitarbeiter selbst sehen. Doch darüber später mehr.

Zur Mittagspause wurde ein Buffett mit Sandwiches organisiert. Es gibt zwar eine Art Cafeteria, in der es Getränke, Obst, Chips, Instantsuppen und kleine Snacks gibt – und das auch noch gratis – aber um das Mittagessen muß man sich selbst kümmern. In der Nähe gibt es aber genug Läden mit einer guten Auswahl. Der Nachmittag wurde mit einem Rundgang durch die verschiedenen Abteilungen und einer Einführung in das Bloomberg Terminal – dem Killerprodukt und kurz “The Bloomberg” genannt – begonnen bis die große Masse schließlich in kleinere Gruppen entsprechend ihrer Abteilungen aufgeteilt wurden.

Insgesamt sind wir 89 Leute und im Juli kommen 20 weitere hinzu, die unter anderen in den Bereichen Research & Development (R&D), Data, Sales, Human Resources, Print News und Broadcast News arbeiten. Das Angebot ist sehr breit gefächert was bis zu einer Abteilung für Philanthropy reicht, in der z.B. eine Kunststudentin ein Praktikum absolviert. Denn mit einem Teil des erwirtschafteten Gewinns werden öffentliche Projekte unterstützt, aber auch die Angestellten werden selbst tätig, so daß für die Praktikanten mindestens ein Tag fest eingeplant ist um eine Grundschule zu streichen. Wir werden in großem Maße wie normale Angestellte behandelt, nicht nur durch solche Veranstaltungen, sondern auch durch das Übertragen von Verantwortung oder Wahrnehmen von Kundenbesuchen. Auch gefördert durch die flache Hierarchie, in der es wenige Titel gibt, wird man ernst genommen, das heißt wenn jemand eine gute Idee hat die dem Unternehmen etwas bringt spielt es keine Rolle welche Position man inne hat. Doch wie gesagt, über die Kultur gibt es später mehr.