Am letzten Wochenende sind meine Eltern nach London zu Besuch gekommen. Den Freitag habe ich mir freigenommen um sie von dem Flughafen in Gatwick abzuholen. Von London Bridge aus geht ein Zug für 9,00 Pfund (nur 50 Pence mehr für die Rückfahrt) und braucht etwas mehr als eine halbe Stunde. Man kommt direkt beim Nordterminal heraus, aber es gibt erst einmal keine Schilder die zeigen wo man überhaupt hinmöchte. Einen Hinweis lieferte der fehlende Eintrag in der der Liste der Landungen am Nordterminal. Auf dem (kurzen) Weg zurück entdeckte ich eine Liste von Fluggesellschaften, über der zwar groß Nordterminal steht, direkt darunter aber in kleinerer Schrift “alle Fluggesellschaften außer den Folgenden landen hier” was nicht sehr intuitiv ist. Zwischen den Terminals verkehrt ähnlich wie am Frankfurter Flughafen ein Shuttle.
Um meinen Eltern einen Eindruck vom Büro zu geben habe ich am Tag vorher über das Bloomberg Terminal Besucherausweise für sie beantragt. Dazu wurde an der Rezeption direkt ein Gesichtsfoto gemacht und ein Ausweis ausgedruckt mit dem sie sich in Begleitung eines Mitarbeiters (oder Praktikanten) im Gebäude bewegen dürfen. Sicherheitsangestellte sind ausschließlich im Eingangsbereich bzw. Cafeteria aufgestellt, die penibel auf die Sichtbarkeit des Ausweises achten und es nicht gerne sehen wenn mehrere Leute auf einer Stelle nahe am Eingang stehen. Der Rundgang war nach ca. einer Stunde abgeschlossen und das Büro hat sie zumindest ein wenig fansziniert. Von Liverpool Street haben wir einen Bus in Richtung Westminster genommen, vorbei an St. Pauls, das gerade dabei war zu schließen.
Mit Ausnahme eines etwas unfreiwilligen Aufenthaltes auf dem Flughafen nach einem Interkontinentalflug war dies ihr erster Besuch in London sowie Großbrittanien überhaupt. Ich mußte somit nicht lange überlegen was wir unternehmen sollen. Am Samstag sind wir gemütlich über einen (echten, kein Schund) Antiquitätenmarkt bei Angel geschlendert und anschließend nach Barbican gefahren. Die deutschen Angriffe sind dort sehr erfolgreich gewesen, wonach das Gebiet vollkommen neu gestaltet wurde und in den 1980ern erst als ganzheitlicher Stadtteil mit Wohnungen umgeben von Geschäften und Kultur eröffnet wurde. Doch die Gestaltung mit den Wegen auf mehreren Ebenen in verschiedenen Winkeln und vielen Wohnungen im Kontrast zu den leeren Straßen erwecken den Anschein als befinde man sich in einer Utopie. Barbican ist nicht weit vom Büro entfernt weshalb wir dort wieder in die U-Bahn eingestiegen sind. Die Umgebung ist im Kontrast zum Betrieb am vorherigen Tag verlassen und fast alle Geschäfte sind geschlossen. Covent Garden mit den Märkten, Geschäften und zahlreichen Straßenkünstlern bietet ein vollkommen anderes Bild voller Leben. Die Gegend zwischen Picadilly Circus und Leicester Square tut ihr übriges dazu.
Eine der größten Touristenattraktionen ist der Wachwechsel vor dem Buckingham Palace, der jeden (zweiten) Tag in der Regel um 11:30 stattfindet und um die 40min dauert. Mit den ganzen Touristen war mir dort zu viel los gewesen (dies war übrigens der wärmste Tag im Jahr gewesen), so daß ich mich zurückgezogen habe und mir das Ganze evtl. bei schlechterem Wetter noch einmal ansehen. Anschließend sind wir vorbei an Green Park und Wellington Arch zur Speaker’s Corner gelaufen, wo es jedes Mal unterhaltsam ist. Insbesondere bei Schildern wie “Almost every question will be answered” im Gegensatz zu “The Socialist Party”. Ein Moslem hat gegen den Westen gewettert, ein Christ nebenan gegen die Moslems und ein paar Schritte weiter ein Jude gegen Jesus. Dazwischen stand jemand ohne Regung einfach so da. Trotz der Beleidigungen die immer wieder ausgetauscht werden kommt es zu keinen körperlichen Auseinandersetzungen und Polizei ist auch keine präsent. Anschließend sind wir entlang der Einkaufsstraßen Oxford Street und Regent Street zur Carnaby Street, die ziemlich enttäuschend hat. Früher hätten sich hier viele Hippies herumgetrieben, wogegen heute ganz gewöhnliche Geschäfte mit vielen Touristen dort sind. Auf dem Weg zurück zum Hotel haben wir noch in Camden Town gehalten.
London hat bei meinen Eltern einen guten Eindruck hinterlassen. Besonders angekommen ist zum einen wie leise die Briten sind, sei es im Großraumbüro mit 150 Leuten auf einer Etage oder unter den Besuchern im Hyde Park. Zum anderen ist in der Stadt immer etwas los. Obwohl wir beim Tower und Tower Bridge waren hat noch ein Besuch von Whitechapel gefehlt. Dieser Stadtteil, in dem Jack the Ripper Prostituierte aufschlitzte, wird ausschließlich von Indern bevölkert und zwischen den Geschäften und Marktständen stehen vereinzelte Asiaten mit aktuellen Kinofilmen im Angebot.