Archiv für Juli 2007

Schäuble will gezielte Tötung ermöglichen

Juli 8, 2007

Obwohl das jetzt nicht zum Thema des Blogs paßt, möchte ich die Aufmerksam auf eine Meldung der Tagesschau und des Heiseverlags richten. Neben anderen wunderlichen Dingen wie der Aufhebung der Unschuldsvermutung (das heißt du bist grundsätzlich nicht unschuldig) soll der Staat künftig in der Lage sein, Terrorverdächtige gezielt zu töten.  Allgemein und unter der Berücksichtigung wie solche Verdächtigungen mittlerweile generiert werden finde ich das nicht gut.

Witzig finde ich den Gedanken, das als Staatsterrorismus zu bezeichnen und damit beißt sich die Katze in den Schwanz :-D .

Wer das verstanden hat: Dies ist kein Aufruf zur Tötung des derzeitigen Innenministers Wolfgang Schäuble oder sonst irgendeiner Person und ebenso wenig eine Sympathiebekundung für eine solche.

Tücken mit der Underground

Juli 5, 2007

Die Underground, manchmal auch schlicht Tube für Röhre genannt, ist das Londoner Pendant zur Metro, U-Bahn oder Subway. Nicht nur für die Millionen von Touristen die jedes Jahr nach London kommen ist es der „Backbone“ im öffentlichen Personennahverkehr, sondern auch für die zahlreichen Pendler die jeden Tag zur Arbeit und zurück wollen. Züge fahren den ganzen Tag grob gesagt alle paar Minuten. Wie schon erwähnt kann es auch vorkommen, daß 20min mal gar kein Zug kommt und man unbedingt pünktlich zu einem Vorstellungsgespräch erscheinen möchte :-) .

Letzte Woche war eine Haltstelle vollkommen geschlossen um „Überfüllung zu vermeiden“. Am nächsten Tag stand in der Zeitung es habe Einsturzgefahr bestanden da während Bauarbeiten zu viele Zementsäcke auf einer zu kleinen Fläche direkt oberhalb des Bahnhofs gestapelt worden seien.

Nach den mißlungenen Bombenanschlägen Ende letzter Woche sind am Dienstag drei Bahnhöfe wegen Bombenverdacht bzw. unidentifizierter Gepäckstücke kurzzeitig gesperrt gewesen. Im Mai war mir schon etwas mulmig als ich vor einem riesigen Koffer saß den ich nicht eindeutig einem Besitzer zuordnen konnte. Jemand hat ihn dann doch beim Aussteigen mitgenommen.

Heute ist ein Zug auf der Central Line kurz vor einer Haltestelle entgleist was einen Großeinsatz der Rettungskräfte auslöste. Ein Mitfahrer wurde leicht verletzt. Wegen aufsteigenden Rauches war die vorschnelle Vermutung eines Anschlags im Umlauf, aber der Vorfall wurde durch Gegenstände auf den Gleisen hervorgerufen.

Am Samstag ist der zweite Jahrestag der Anschläge von London bei denen drei Züge und ein Bus hochgegangen waren.

Öhm, der Beitrag hat eine etwas ungewollte Wendung genommen. Ich mache mir jedenfalls ein Sorgen und es gibt auch keinen Grund dazu – und stochastisch betrachtet…. ;-)

Programmierer (C++) händeringend gesucht

Juli 5, 2007

Allgemein gibt es die erfreuliche Dauernachricht, daß die hohe Nachfrage an Informatikern noch weiter ansteigt, bei einem aktuellen Bedarf von 20′000 bis 30′000 in Deutschland. Am meisten sollen Softwareentwickler und Berater fehlen.

Schon am letzten Freitag, meinem ersten richtigen Arbeitstag in R&D, kam der Verantwortliche für die Personalbeschaffung auf mich zu, ob ich nicht mal etwas über deutsche Universitäten erzählen könne. Bloomberg sucht vor allem im Bereich R&D nach fähigen Leuten – Stellen für die es keine geeigneten Bewerber gibt werden auch nicht besetzt. Es existiert eine besondere Beziehung zu der Technischen Universität von Warschau, deren Studenten über die Hälfte der Praktikanten in der Abteilung ausmachen. Sonst weiß ich von keinem Polen, der in einem anderen Bereich eingestellt ist. Wie ich verstanden habe gibt es einen harten Konkurrenzkampf zwischen den Unternehmen, darunter Google (btw: drei Mahlzeiten, Waschen und Fitnessstudio gratis!) und nvidia, wobei letztere erst viele Studenten übernommen hätten. Während eines Einführungsvortrages wurde ein polnischer Student erwähnt der unbedingt im Unternehmen bleiben muß bis sein Projekt beendet ist bevor er weiterstudieren darf :-) .

Zu diesem Zweck habe ich mich gestern mit einer anderen Praktikantin von Human Resources (Ich hasse diesen Begriff!) getroffen, deren Aufgabe es sein wird mit Universitäten in Kontakt zu treten. Insbesondere werden C++-Programmierer gesucht. An vielen Universitäten, wie in Kaiserslautern, wird hauptsächlich mit Java gearbeitet, was aus dieser Sicht ein Problem darstellt. Ohne das jetzt weiter vertiefen zu wollen bin ich der Meinung, daß man als abgeschlossener Informatiker sich in neue Felder und Sprachen einarbeiten kann (und muß), aber aufgrund der Komplexität von C++ ist viel Erfahrung notwendig (Pointer, Templates). Aus diesem Grund sind eben viele Studenten aus Warschau vertreten.

Universitäten, mit denen es sich unabhängig von konkreten Programmiersprachen lohnt Kontakt aufzunehmen, sind meiner Meinung nach TU München, RWTH Aachen, Universität Karlsruhe, TU Darmstadt und TU Kaiserslautern. Letztere ist nicht aus Eitelkeit dabei, sondern ziemlich gerechtfertigt durch die vorhandenen Professoren, dem Schwerpunkt Software Engineering und den fachbereichsnahen Instituten Fraunhofer, MPI und DFKI.

Sie wird sich erst einmal mit den Unis in Verbindung setzen und nachforschen, ob dort geeignetes Humankapital (Human Resources) verfügbar ist. Ich würde mich jedenfalls sehr darüber freuen, wenn sich daraus ein Kontakt zu den Studenten in Kaiserslautern ergebe.

Shopping Centre (nicht Center)

Juli 1, 2007

Nachdem es gestern um den Hyde Park etwas feucht war und ich heute etwas Papierkram erledigt hatte (darunter eine Absage an die britische GEZ die 135 Pfund von mir möchte) hatte ich mal wieder Lust auf ein Einkaufszentrum gehabt. Oxford Street und Umliegende bieten zwar sehr vieles, aber hauptsächlich Kleidung und das Umfeld ist nicht wettergeschützt. Auf der Suche nach einem Elektronikmarkt habe ich das per Bus nur 10min entfernte Brent Cross Shopping Centre entdeckt, eine schön sterile und gegen Witterung abgeschottete Mall.

Bei dem Apple Shop verweilte ich für ein paar Minuten voller Ehrfurcht und Überwältigung vor einem 30”-Display – es ist einfach gigantisch wie viele Konsolenfenster darauf passen! Was ich bisher noch nicht wußte ist, daß die aktuelle Generation des iPod nano nur bei 8GB in schwarz erhältlich ist, mit 4GB in den übrigen Farben und 2GB nur in weiß. Es gibt noch einen besonderen roten, der irgendwie gegen AIDS hilft.

Es ist eigentlich nicht sonderlich interessant, wenn ich jetzt vom McDonalds hier erzähle, aber ein paar Sachen sind doch anders. Zuerst das Angebot. Zur Zeit gibt es den “Chicken Fajita Wrap”, was praktisch die Tacoversion des Chicken Burgers ist. Neben dem üblichen Müll (im Vergleich zu Burger King) werden sogar Sandwiches unter anderem mit Schinken und ganz ohne Frittieren verkauft. Neu im Angebot ist ebenso der Rolo Milchschake, der etwas anders schmeckt als die normale Sorte Schokolade.

Lustig fand ich auch den Expressschalter, bei dem man sich so umständlich behandeln lassen kann wie bei einem Drive-In (im deutschen Sinn, im Englischen eher Drive-Thru bzw. Drive-Through). Ganz am Rand der normalen Theke gehen quasi noch einmal zwei Schalter nach vorne heraus. Bei dem ersten gibt man seine Bestellung auf, bei dem zweiten bezahlt man und an der Theke bekommt die Ware schließlich übergeben. Den einzigen Vorteil sehe ich in der Parallelisierung von Bezahlung und Zusammenstellen der Bestellung. Ein Tablett habe ich auch nicht bekommen.

Wer stets den Trend im Blick hat kennt bestimmt die Schuhe mit integrierten Rollen von der Firma Heely, die hier oft von Kindern getragen werden. In der Ferse sind Rollen eingebettet mit denen man mit noch weniger Mühe Schrägen herunterkommt oder sich einfach von Mama ziehen läßt. Wenn man doch mal selbst laufen muß ist man aber mehr auf die Zehenspitzen angewiesen.

Kippe aus!

Juli 1, 2007

Seit heute, dem 01. Juli 2007 um 6am, ist in ganz England das Rauchen in allen geschlossenen öffentlichen Räumen per Gesetz untersagt, darunter am Arbeitsplatz und in Pubs, wo bisher nur darum gebeten wurde es nicht an der Theke zu tun. Wer sich nicht daran hält riskiert bis zu 200 Pfund und wer es als Angestellter großzügig übersieht bis zu 2500 Pfund. Das Verbot soll kommunal auf Spielplätze und Parks ausgedehnt werden.

Autobomben in London

Juli 1, 2007

Wie auch in den deutschen Medien gemeldet sollten zwei Autos in der Nähe von Nachtclubs im Londoner Zentrum explodieren. Obwohl angeblich ein an die Öffentlichkeit gelangtes internes Papier existiert, das vor Anschlägen zum Ausscheiden Tony Blairs aus dem Amt des Premierministers warnt, wurden die Bomben zufällig gefunden. Sanitäter, die wegen einer Verletzung zu dem Nachtclub gerufen wurden, vor dem eines der Autos geparkt war, alarmierten die Polizei als sie den Inhalt bemerkten; das zweite Fahrzeug wurde später unabhängig davon wegen Falschparkens abgeschleppt und erst das Wachpersonal von dem Parkplatz beim Hyde Park hat den Inhalt erkannt und die Polizei alarmiert.

Lecke Gasflaschen füllten das Fahrzeug mit Propandämpfen, die durch einen Anruf auf einem Mobiltelefon entzündet werden sollten um durch die Explosion der deponierten Benzinkanister einen Feuerball zu erzeugen, der zusammen mit Unmengen von Nägeln das Gebäude zum Einstürzen bringen sollte. Der Anruf hat stattgefunden, aber auch der Mechanismus des zweiten Telefons, das als Ersatz verdrahtet war, hat versagt. Der betreffende Club hat eine Kapazität von 1770 Personen, im Umkreis von 20ft wäre jeder sofort tot gewesen und der Feuerball hätte 100ft weit gereicht.

Glücklicherweise gibt es massive Videoüberwachung in der Stadt. Die Aufzeichnungen von Sicherheitskameras von Läden, Clubs und Restaurants in der gesamten Umgebung sowie der “Ring aus Stahl” lassen Verdächtige ganz bestimmt identifizieren. Letzteres bezeichnet die Kameraüberwachung von 52 Zufahrten nach Zentral-London deren Positionen nicht öffentlich bekannt gegeben werden und alle Fahrzeuge sowie deren Nummernschilder und Fahrer fotografiert.

Als Konsequenz wurde die maximale Sicherheitsstufe ausgerufen, wonach ein Terroranschlag unmittelbar bevorsteht. Es finden härtere Kontrollen der Verdächtigen statt, darunter längere Ausgangssperren, Polizeiwachen vor den Häusern Verdächtiger und das Veröffentlichen von Namen und Foto im Falle der Flucht.

 

Mein Zugang zum Haus ist in einer sehr ruhigen Einbahnstraße, aber im Erdgeschoß befinden sich Geschäfte mit Zugang von der Hauptstraße. Gestern abend, etwa gegen 11pm, kamen zwei Polizisten mit einem Hund die Straße entlang, die anscheinend etwas gezielt gesucht haben und auch ein paar Mal sehr genau hinschauten. Ihnen ist ein ziviles Fahrzeug mit Fahrtrichtung entgegen der Einbahnstraße gefolgt. Was das zu bedeuten hat weiß ich nicht.