Archiv für Juli 2007

Summer Party 2007

Juli 29, 2007

Schon am ersten Tag wurde die Summer Party angesprochen die jährlich für die Angestellten veranstaltet wird. Auch die Praktikanten sind eingeladen, denn nicht nur sie müssen Bloomberg überzeugen sondern auch andersherum, damit die gewünschten Leute auch wirklich dort arbeiten möchten. Angemeldet hat man sich natürlich über das Bloomberg Terminal das nicht nur für die zahlreichen Leistungen von Bloomberg herhält, sondern auch für interne Aktivitäten wie Weiterbildungen oder Tickets für gesponsorte Veranstaltungen. Angestellte dürfen sämtliche Kinder sowie genau einen Gast mitbringen – mehr geht nicht und Praktikanten dürfen niemanden einladen.

Laut eines Praktikanten, der das Jahr vorher schon bei Bloomberg war, übertrifft das Sommerfest alle Anstrengungen der Konkurrenten. Es wurden mehrere Busse angeboten die vom Büro und einem anderen Ort direkt zum Veranstaltungsort in Wrotham Park fuhren. Wer diese nicht in Aspruch nehmen wollte konnte einen regelmäßig verkehrenden Shuttlebus von der Endstation der U-Bahn in High Barnet aus nutzen. Dasgleiche galt für den Rückweg wo man ständig hilfsbereiten Serviceangestellten begegnete die einem sagten wo man hin muß.

Das Sommerfest selbst war einfach überwältigend. Von dem Parkplatz aus mußte man ein paar Minuten laufen um zum eigentlichen Gelände zu kommen – oder die Bimmelbahn nehmen die ständig hin- und herfuhr. Was geboten wurde ist wirklich beispiellos. Neben verteilt aufgestellten Kübeln mit Erfrischunsgetränken boten mehrere Zelte auch Pimm’s, Corona, Peroni, Bacardi-Cola, Lime-Wodka und ein paar andere Sachen an. Daneben gab es eine Saftbar mit Smoothies und einer großen Auswahl an Obst. Das Essensangebot war vielfältig, dabei aber nicht billig oder von minderer Qualität, sondern aufwendig zubereitet und entsprechend präsentiert. Darunter: Chinesisch, Japanisch, Grill, Mexikanisch, Orientalisch sowie ein Stand mit Desserts wie Schokoladenkuchen und verschiede Arten von Gebäck. Jeder Stand hatte 3-5 verschiedene Gerichte zur Auswahl und wie erwähnt von hoher Qualität. An Unterhaltung gab es ein vielfältiges Bühnenprogramm, darunter Hip-Hop Darbietungen, Tanzgruppen, einem Tenor oder einem Limbowettbewerb der auch die Zuschauer mit einbezogen hat. Zusätzlich gab es halbstündige Tanzkurse direkt im Freien, ein Schweinerennen (ja – ein Wettrennen von Schweinen) und genügend Beschäftigung für die Kinder, darunter ein Bastelstand an dem man eine gestellte Baseballkappe nach Belieben mit Kleber, Stiften und allerlei Kram verzieren konnte. Bei mir war der Kleber knapp und ein paar Sachen sind später durch den Regen wieder abgefallen :-( . Schließlich gab es noch ein Riesenrad und ein weiteres Fahrgeschäft (siehe Fotos, kenne die Bezeichnung nicht).

Ab ca. 8pm wurde bei der Bühne Musik aufgelegt und der Bereich davor zu einer Tanzfläche auf der trotz Regen noch viele Leute geblieben sind. Glücklicherweise war das Wetter nach der verregneten Woche den ganzen Tag über ziemlich gut mit sonnigen Abschnitten und Temperaturen um 23°C. Als Kleidungsstil war smart casual vorgeschrieben, was für die R&D Leute keinen großen Unterschied gemacht hat. Während ich die Woche über ein T-Shirt herumlaufen könnte müssen sehr viele Leute einen Anzug oder zumindest einen Schlips tragen.

Die ganze Atmosphäre war sehr entspannt und informell und es hat sich auch keiner volllaufen lassen (harte Sache wurden pur eh nicht rausgerückt). Das wäre auch nicht ganz folgenlos gewesen denke ich, denn professionelles Verhalten ist dem Unternehmen sehr wichtig, was auch bei einer Betriebsveranstaltung unter Kollegen oder gar möglichen Kunden gewahrt werden muß. Um so wichtiger als Praktikant der auf eine Festanstellung hofft…

Die gesamte Veranstaltung, insbesondere Speisen und Getränke, war für alle Teilnehmer völlig kostenlos.

Your code is moving out to Tokyo right now

Juli 29, 2007

Eine der drei Hauptschwerpunkte von Bloomberg ist das Liefern von Daten, was auf verschiedene Arten erfolgt: durch Zugriff auf die API, durch Echtzeitfeeds (B-Pipe) oder das Ergebnis von Batchprozessen was sich der Kunde z.B. per FTP herunterladen kann. Für die letzte Option laufen nachts, während die Märkte geschlossen sind, auf den Hostsystemen Programme die die gewünschten Daten tagesaktuell zusammenstellen. Mein erste größere Aufgabe bestand darin ein Webinterface zu entwickeln das auf einer täglichen Basis die Dauer dieser Berechnungen für jeden Host und heruntergegrochen auf kleinere Einheiten, unter verschiedenen Sichtweisen, grafisch darstellt und gegenüberstellt. Um überhaupt etwas anzeigen zu können müssen die Daten erst einmal existieren.

Dazu mußte ich das regelmäßig laufende Programm um entsprechende Ausgaben erweitern. Im wesentlichen mußte ich nur Code hinzufügen, der geeignete Ausgaben in bestimmte Dateien herausschreibt. Diese Änderungen wurden von meinem Mentor begutachtet und testweise auf den Betamaschinen installiert. Nachdem dort alles korrekt lief, das heißt das Programm tat was es tun sollte ohne abzustürzen oder Schaden zu verursachen, konnte es auf die Produktionsmaschinen losgelassen werden.

Neben zahlreichen Vertretungen in allen Teilen der Welt hat Bloomberg drei Büros auf der Erde: New York als Stammsitz, London als Zentrale Europa, Afrika und den Mittleren Osten sowie Tokyo zum Bedienen der asiatischen Märkte. Das heißt auch immer wird irgendwo gearbeitet, so daß Kunden in Japan nach 1800Uhr Ortszeit mit ihren Anfragen bei Bloomberg in London landen. Diese internationale Verbundenheit macht es interessant bei diesem Unternehmen zu arbeiten. Mit Blick auf eine der Uhren von denen man immer mindestens eine sieht und die alle drei relevanten Uhrzeiten nebeneinsander anzeigt sagte mein Mentor, mein Code laufe gerade in Tokyo an. Auch wenn meine Änderungen von geringem Umfang sind, war es toll zu sehen wie man sich die ersten Grafiken generieren lassen konnte.

Das Webinterface verwendet HTML / PHP zur Anzeige und ruft Perl-Skripte zum Generieren der gewünschten Daten auf. Ein wenig Javascript macht die Interaktion etwas komfortabler.

The Simpsons – in 2D

Juli 25, 2007

Was den Termin angeht, ab dem The Simpsons Movie (weltweit) zu sehen sein wird, bin ich immer noch nicht sicher. Der erste Teaser und Trailer haben den 27.07.2007 versprochen, anscheinend weil sich dieses Datum leicht merken läßt. In den deutsch Kinos standen Pappaufsteller für den 26.07. , was auch der letzte gezeigte Trailer versprochen hatte den ich im deutschen Kino gesehen habe. Bereits heute wurde der Film den ganzen Tag (circa 10 Termine bei dem Kino vue in Islington) gezeigt, zudem ist er ebenso heute im UCI in Kaiserslautern angelaufen.

Am letzten Freitag haben wir uns, hauptsächlich Praktikanten aus R&D, Die Hard 4.0 angeschaut. Ich stehe nicht sonderlich auf Actionfilme und war von diesem auch nicht besonders begeistert, aber es war herrlich anzusehen wie ein Harrierjet mit Luft-Boden-Raketen und der Gatling-Bordkanone versucht einen LkW auszuschalten – und wie sich der Protagonist daraus, und aus den einstürzenden Brücken, auf spektakuläre Weise rettet. Bruce Willis sei mit den nachfolgenden Teilen nie wirklich zufrieden gewesen, doch dieser sei besser als das Original.

Zu den Simpsons. Ein großes Woohoo als wir in den Kinosaal kamen. Wir hatten befürchtet, daß es überfüllt sein wird zudem die Vorstellung um 2030 schon ausverkauft war. Wahrscheinlich haben nicht viele Leute Zeit, schon um 1900 ins Kino zu gehen oder haben dasselbe befürchtet. Die Handlung war weit von dem entfernt was ich als erste Vermutungen in der Wikipedia gelesen hatte. Danach solle ein Störfall im Atomkraftwerk auftreten – natürlich durch Homers Schuld – und Erin Bronkovich solle einen Gastauftritt erhalten. Ohne alles zu verraten ist die Umwelt zwar der Aufhänger, aber das eigentliche Thema ist ein anderes aber trotzdem von Homer verschuldet. Große Überraschungen gab es keine, weder Enthüllungen über die Bürger Springfields noch Änderungen bei den Charakteren. Tom Hanks hat übrigens einen Gastauftritt und Arnold Schwarzenegger wird als Präsident dargestellt. Seine Figur ist nicht besonders positiv, aber sehr an McBain angelehnt zudem mir die Stimme sehr ähnlich vorkam. Auf die Schnelle habe ich nicht herausfinden können, von wem letzterer für gewöhnlich gesprochen wird, aber Harry Shearer übernahm Arnold Schwarzenegger. Lisa findet übrigens ihre war Liebe und das beste ist: der Bursche ist nicht imaginär.

Mir kam der Film wie eine überlange Folge vor – was im Film ebenso aufs Korn genommen wurde. Es ist witzig wie die Simpsons sich über sich selbst lustig machen. Ganz am Anfang gibt es Itchy&Scratchy (mit Gewalt aber ganz ohne Blut, dank PG bzw. ab 8 Jahren), worauf herausgezoomt wird und die Simpsons in der ersten Reihe im Kino gezeigt werden. Homer sagt: „I will not pay for something I can see for free on TV“ und der Tafelsketch mit Bart enthält den Satz „I will not download this movie from the internet“. Ich fand die Bezüge zu früheren Folgen sehr amüsant, insbesondere zum Sprung über die Teufelsschlucht. Obwohl meiner Meinung nach etwas gefehlt hat ist dieser Film ein Muß für jeden der die Serie mag.

Friedhof Highgate

Juli 22, 2007

Gestern war ich wieder auf dem Friedhof in Brompton gewesen, da sie einen Tag der offenen Tür mit Führungen angeboten hatten. Eine ging in die Katakomben, in denen insgesamt 470 Leute begraben wurden, verglichen mit 200′000 in der Erde. Die Särge dort sind in drei Schichten aufgebaut. Zuerst der Behälter für die Leiche selbst, der anschließend mit einer Bleiummantelung umschlossen und versiegelt wurde um den Verfall der Leiche einzudämmen. Zum Schluß kam die sichtbare und deshalb aufwendig verzierte Verkleidung. Die Särge sind entlang eines Ganges unter der Erde auf mehreren Regalebenen gestapelt, identifizierbar an Hand einer angebrachten Metallplakette. Entgegen der Erdbestattung können Verwandte nahe dem Verbliechenen sein, weshalb die Katakomben auf täglichen Besuch ausgerichtet waren. Nebenbei war das eine willkommene Einnahmequelle, da diese Art der Bestattung etwas mit Prestige zu tun hat, was mit einer höheren Zahlungsbereitschaft verbunden ist.

 

Wegen des guten Wetters bin ich heute zum Highgate Friedhof, nahe der Haltestelle Archway, was auf dem anderen Zweig meiner U-Bahn-Linie liegt. So weit außerhalb wohne ich nun auch wieder nicht, aber die Fahrt mit dem Bus führt an richtigem Wald vorbei, keinem Stadtpark.

 

Der Friedhof besteht aus zwei Teilen, die durch eine kleine Straße voneinander getrennt sind. Der östliche Teil kann für 2Pfund besichtigt werden, Fotografieren kostet 1Pfund extra. Während der Hauptweg geteert ist, gibt es zahlreiche Seitenwege die etwas verwildert sind, weshalb nicht immer klar ist ob man gerade auf einem Grab steht oder nicht. Wenn man sich gleich nach dem Eingang so weit links wie möglich hält kommt man auf einen schmalen Pfad der ganz gemütlich ist und ein paar Motive zum Fotografieren liefert. Man kommt anschließend in der Gegend von Karl Marx heraus. Zwei Deutsche haben vermutlich Engländer – Er mit Hemd und Schlips und Sie in einem Sommerkleid – direkt neben dem Grab posierend fotografiert. Ich habe auf deutsch eine abfällige Bemerkung über die etwas unsozialistische Kleidung gemacht. Später haben sie mir angeboten, mich auch zu fotografieren, was ich wegen verschiedener politischer Orientierung dankend abgelehnt habe. “Hätt ja sein können” war die Antwort mit leicht sächsischem Akzent. Der von dem Weg umschlossene innere Bereich führt auf schmäleren Wegen an weiteren verwilderten Grabstätten vorbei und ist damit attraktiver als der Rest. Etwas berührt hat mich das Grab eines Jungen von drei Jahren, das nett hergerichtet war und quasi als Grabbeigabe Fruchtgummi auf dem Behälter mit der brennenden Kerze liegen hatte.

Nach knapp 2.5 Stunden bin ich auf die andere Straßenseite pünktlich zum Beginn der Führung über den westlichen Teil gegangen. Wegen mangelhafter Erfüllung von Vorschriften kann er nicht gänzlich der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Neben Brompton und fünf weiteren gehört dieser zu den zwischen 1833 und 1841 eröffneten Magnificent Seven die zur damaligen Zeit erstmals Begräbnisstätten außerhalb der Authorität der Kirchen angeboten hatten. Das Geschäft blühte bis zu den Weltkriegen als sich das Bewußtsein geändert hat und prunkvolle Ruhestätten als unangebracht empfunden wurden. Wegen ausbleibenden Einnahmen mußte der Betreiber die Pflege zunehmend zurücknehmen bis der Friedhof gänzlich aufgegeben wurde. Dank weiterhin andauernder freiwilliger Arbeit durch die Nachbarschaft konnte er wieder begehbar gemacht und 1981 wiedereröffnet werden. Wegen des Zustandes werden nur geführte Touren angeboten für 5Pfund pro Person; Kinder unter 8 Jahren haben keinen Zutritt. Die Fühererin zeigt die bedeutensten Gräber und erzählt ausführlich über ihren Kontext zu ihrer Zeit. Ein Weg vorbei an Gruften führt zu einem etwas ägyptisch gestalteten Areal wo weitere Gruften kreisförmig angeordnet sind. Der Besuch lonht sich, zudem hat man die Chance sich ein paar Schritte von der Gruppe zu entfernen um sich etwas genauer umzusehen.

Highgate 1Highgate 2Highgate 3Highgate 3Highgate 5Highgate 6Highgate 7

Endlich normale Leute

Juli 22, 2007

Eigentlich konnte ich das letzte Woche schon sagen. An jenem Freitag waren die Angestellten zusammen mit den Praktikanten aus R&D aufgefordert gewesen sich nach der Arbeit in einem nicht weit entfernten Pub zu treffen. Wegen des Wetters standen die meisten Leute mit ihrem Pint auf der Straße während es drinnen ziemlich leer war. Zwei musikalisch ähnlich orientierte Angestellte haben mich später am Abend in den Intrepid Fox, nahe Tottenham Court Road, mitgenommen wo ich mich auf Anhieb wohlgefühlt habe: Dunkel gekleidete, lockere Leute und angenehme Musik (Hard Rock / Metal). Nach ein paar Drinks sind die anderen zwei noch zu Crobar, einem Laden der auch dort in der Gegend ist, doch für mich war es Zeit aufzubrechen…

Camden Town, halb auf dem Weg zu meiner Haltestelle, ist auch eine nette Gegend. An diesem Freitag bin ich im Electric Ballroom gewesen, wo jeden Freitag Metal und in einem kleineren Raum eher Punk läuft. Außerdem gibt es Cage Dancers! Der Laden war gut besucht und die Leute sind gut abgegangen. Allerdings hätte ich mir mehr europäische Musik gewünscht, denn das meiste war von US-Gruppen in entsprechendem Stil (Metal Core wenn ich micht nicht irre).

Auch tagsüber lohnt sich der Besuch. Beim Camden Town Market gibt es T-Shirts, z.B. mit Bezug zu Pulp Fiction oder einfach nur Nonsense. Darunter war eins mit der Silhouette von Clint Eastwood mit dem Spruch: Don’t piss down my back and tell me it’s raining. Neben der U-Bahn-Haltestelle ist ein Pub, der hauptsächlich von düsteren Gestalten besucht wird (The World’s End). Die Straße hinauf gibt es einige interessante Läden. Vieles ist für Poser, einige richten sich aber an „ernstere“ Kundschaft. So gibt es zwei Schuhläden die schwere Stiefel verkaufen sowie ein Geschäft mit vielen, vielen Metalshirts. Generell bekommt man dort jede Menge Accessoires in der Richtung.

Kirche All-Hallows-by-the-Tower

Juli 15, 2007

Wie in einem vorherigen Beitrag erwähnt bin ich das Wochenende mit gemütlicher Kleidung unterwegs gewesen, außerdem sind die Fingernägel mal wieder lackiert. Ich bin zu Tower Hill gefahren (Tower und Tower Bridge sind schon als erledigt abgehakt) um mir All-Hallows-by-the-Tower anzusehen, die älteste Kirche in London.

dsc01560_cl_sc.jpg

Direkt nach dem Betreten kam der Pfarrer auf mich zu und ich dachte schon er wolle mich gleich wieder hinauswerfen. Aber das Gegenteil war der Fall. Ohne mich wirklich zu fragen ob ich möchte hat er mir jeden Winkel der Kirche gezeigt und ausführlich erläutert. Mit dem Outfit mache ich wohl einen interessierteren Eindruck als der durchschnittliche Tourist.

Ohne mit Details zu langweilen, von denen ich das Meiste eh wieder vergessen habe, ist die Architektur der Kirche ziemlich gemischt. Sie wurde 675 errichtet und seitdem mehrmals um- bzw. neugebaut. Das älteste Mauerstück besteht aus römischen Steinen, die hier wiederverwendet wurden. Eine sehr alte Holzfigur, die aus mehreren Teilen besteht und damals in Massenproduktion hergestellt wurde, steht auf einer Säule von 1900. Im unteren Bereich der Kirche befindet sich, etwas versteckt, ein Bild Lenins über dem sich durch den Bildaufbau ein Kreuz formt. Es macht einen wesentlich älteren Eindruck und habe auch für Schwierigkeiten mit der Kirchenführung gesorgt. Im unteren Teil des vermeintlichen Kreuzes sind umrißartig Köpfe zu sehen und weiter oben sowie in den Armen des Kreuzes sind schemenhaft Häuser abgebildet. Ich hatte das für einen Wasserfall gehalten, was auch die Antwort von jedem Zehnten sei. Mehr gibt es wie immer bei der Wikipedia.

Der Pfarrer war ziemlich nett und hat mich während der Führung ein paar Mal (nicht negativ) auf mein Auftreten angesprochen. Nach 40 Minuten waren wir wieder am Eingang der Kirche, wo er mir noch alles Gute gewünscht hat.

Friedhof Brompton

Juli 15, 2007

Auch wenn der Kleidungsstil bei den R&D-Leuten etwas lockerer ist, mußte ich mich für das Praktikum neu einkleiden. Im Schrank hatte ich fast nur T-Shirts und meistens habe ich eine etwas abgenutzte Lederhose getragen, mit der ich mich dort auf keinen Fall blicken lassen konnte. Die übrigen Hosen sind auch nicht mehr die besten bzw. passen nicht richtig. Um mal etwas neues auszuprobieren habe ich mir hauptsächlich helle (freundliche) Sachen zugelegt die auch ganz angenehm zu tragen sind. So ganz richtig wohl darin fühle ich mich auf Dauer nicht und die letzten zwei Arbeitstage habe ich die schwarze Hose rausgeholt und das schwarze T-Shirt am Wochenende hat irgendwie richtig gut getan.

Um dieser Finanzkultur, nicht nur bei Bloomberg sondern im ganzen Viertel, zu entkommen habe ich einen der größeren Friedhöfe erkundet. Brompton Cemetery ist nur ein paar Minuten die Straße runter von der Haltstellte East Brompton entfernt und zählt zu den größten Friedhöfen von London. Nach einem etwas üblen Abend mit Pub am Tag zuvor habe ich dort einen sehr entspannten Nachmittag verbracht, den Eichhörnchen zugeschaut und ein paar Bilder von den dortigen Grabsteinen gemacht. Wie die übrigen Bilder sind sie bei Flickr zu sehen.

Brompton CemeteryBrompton Cemetery

Brompton CemeteryBrompton Cemetery

Speakers Corner

Juli 14, 2007

An der nordöstlichen Ecke des Hyde Parks, Haltestelle Marble Arch wo auch der Marble Arch steht, befindet sich die Speaker’s Corner. Grundsätzlich darf jeder dort hinkommen, sich auf einen Schemel stellen und seine Meinung über die Welt kundtun. Wenn man während des Sommers an einem Sonntag bei gutem Wetter in London ist, sollte man sich das nicht entgehen lassen. Am vergangenen Sonntag waren dort: um die 5 Christen, ein Antichrist, ein Sozialist, ein Frau die über Hexen geredet hat, ein Moslem und noch jemand der einfach über alles hergezogen ist.

Den Christen hat kaum einer zugehört und beim Sozialist bin ich zustimmend weitergegangen als jemand schlicht “crap” gesagt hat. Bei den letzten beiden war am meisten los, da sie am meisten ernst genommen werden bzw. recht kontrovers sind. Während der Moslem seine Religion als Thema hatte, damit verbunden der Irakkrieg, Terrorismus, usw., hat der andere eine große Palette von Themen auf ein Schild geschrieben, darunter kostenlose Prositutierte für Behinderte von der Krankenkasse oder die Legalisierung von Marihuana.

Es macht einfach Spaß den Diskussionen mit den Zuschauern zuzuhören, vorallem wenn ein Betrunkener dabei ist der die besten Kommentare einbringt! Auch wenn üble Beleidigungen ausgetauscht werden, bleibt alles friedlich. Später sind ein paar Leute mit Schildern “Free Hugs” herumgelaufen, die ohne Anlaß zufällig Leute umarmt haben. Ziemlich sinnlos, aber irgendwie cool.

Speakers Corner - TopicsSpeakers Corner - MoslemSpeakers Corner - Hugs

Harassment Awareness

Juli 14, 2007

Eine Pflichtveranstaltung für alle Neueinstellungen und Praktikanten ist Harassment Awareness, was so viel wie Belästigungsbewußtsein bedeutet. Durchgeführt wurde sie nicht vom Sexual Harassment Panda, sondern von einer Mitarbeitern des externen Unternehmens Olswang, das sich auf Rechtsberatung spezialisiert hat. Da es in der Vergangenheit allgemein zu einigen Gerichtsprozessen wegen Belästigung am Arbeitsplatz gekommen ist, wird bei Bloomberg besonderen Wert auf die Aufklärung und die Prävention gelegt. Es soll ja jeder Freude an der Arbeit haben und professionelles Verhalten ist eines der obersten Geboten im Unternehmen.

Im Wesentlichen ging es darum, wie man (auch ungewollt) seine Mitarbeiter belästigen kann und wie man sich in so einem Fall als Betroffener oder Teilhaber verhalten soll. Eigentlich folgt alles dem gesunden Menschenverstand wonach Kommentare und versendete Nachrichten, die auf Sexualität, Geschlecht, Religion, Herkunft usw. von jemandem abzielen, oder Mobbing als Belästigung gelten können und zu unterlassen sind. Das gilt auch, wenn man sich mit Kollegen nach der Arbeit im Pub trifft, da diese Zusammenkunft ohne die Zusammenarbeit nicht entstanden wäre und damit Teil des Betriebsklimas ist, so die Begründung.

Dieses Thema wird sehr ernst genommen und bei Problemen soll man mit seinem Manager oder gleich mit der Personalabteilung in Verbindung treten. Am Ende des 40minütigen Vortrages mußte jeder seine Anwesenheit durch eine Unterschrift auf der letzten Seite der ausgeteilten Zusammenfassung bestätigen.

Tour de Franz

Juli 8, 2007

Tour de Franz

Die Zeit ist wieder gekommen in der man gemütlich vor dem Fernsehe Fahrradfahrern zusehen kann wie sie sich tagelang abstrampeln, vorausgesetzt man schläft dabei nicht ein ;-) . Der Auftakt der Tour fand das erste Mal seit 1994 wieder in England statt, und zwar im Zentrum Londons. Die Eröffnungsveranstaltung auf dem Trafalgar Square am Freitag habe ich wegen eines Pubbesuch mit ein paar anderen Praktikanten – was etwas länger gedauert hat – verpaßt. Am Samstag fand am Nachmittag das Zeitfahren auf einer etwas weniger als 8km umfassenden Strecke statt, die auf der Rückseite der Horse Guards begann, über Westminster Abbey und einem kleinen Umweg zum Buckingham Palace führte. Von dort ging es an der Südseite des Hyde Parks weiter und nach einer Runde um den See wieder zurück nach Buckingham Palace und noch ein hundert Meter weiter auf der Mall. Da das englische und französische Wort für „Frankreich“ identisch geschrieben wird, kümmert auch keinen die unterschiedliche Aussprache.

Ich bin zuerst zur Südecke des Hyde Parks gefahren wo die Zuschauer gut gedrängt an der Strecke standen. Für ein attraktiveres Umfeld bin ich vor zum Buckingham Palace gelaufen, wo man ziemlich nah an der Strecke stehen konnte. Meine Versuche, die nacheinander vorbeikommenden Fahrer zu fotografieren sind kläglich gescheitert – eine Bekannte von mir kann das viel besser (und steht dafür auch nicht wie ich als spontaner Zuschauer herum). Es sind hinreichend Brücken errichtet gewesen, über die man die Strecke passieren konnte.

Anläßlich der Tour fand etwas außerhalb in Canada Water, fast in den Docklands, ein Volksfest mit Fahrgeschäften für Kinder, Essensbuden und Livemusik statt. Der Hot Dog den ich mir dort geholt habe sah wie eine Bratwurst aus, hat aber ekelhaft geschmeckt. Kein Ahnung was da drin war – ich gehe schon von Fleich aus… Die Besucher waren teilweise ziemlich gut ausgerüstet mit Campingstühlen und -tischen, Kühltaschen sowie ganzen Paletten Foster’s. Am nächsten Tag habe ich im Hyde Park vorbeigeschaut, wo das People’s Village über das Wochenende errichtet war. Neben zahlreichen Aktivitäten rund ums Fahrradfahrern (Geschicklichkeitsrennen für Kinder, Kräftmessen am Ergometer, Probefahren mit abgewandelten Zweiradtypen und Klickern) gab es Infostände und natürlich teilweise französische Essensstände

Nach dem Aufstehen hatte ich es auch gerade so zur erste Etappe geschafft. Sie startete in der Nähe des Trafalgar Square und ging nach der Tower Bridge südlich der Themse weiter. Bei der Haltestelle Bermondey habe ich noch locker einen Platz an der Straße gefunden und nach 15min war es auch schon so weit. Innerhalb von vielleicht 20sek war es auch schon wieder vorbei und es folgten nur noch Begleitfahrzeuge und einzelne zivile Radfahrer die aus Sympathie nebenher gefahren sind. Einerseits hat es etwas wenn der gesamte Pulk auf einmal vorbeizieht, aber zum Ende der Etappe hat man bestimmt mehr davon.

EismannArch

Prolog1Volksfest

TourKlickern