Archiv für Juni 2007

Obwohl frei ist, wird man trotzdem überfahren

Juni 20, 2007

Im Vereinigten Königreich (und überhaupt einem Drittel auf der Erde wie ich heute lesen mußte) fährt man auf der linken Straßenseite, überholt rechts und in der U-Bahn sollte man auch links laufen – mit Ausnahme von Touristenschwerpunkten. Sogar die Salz- und Pfefferstreuer sind vertauscht (aus dem mit nur einer Öffnung kommt das Salz). Auf der Straße steht zwar in welche Richtung man zu schauen hat, aber trotzdem ist man die erste Zeit total verwirrt und schaut beim Überqueren ständig in alle Richtungen oder man wird überfahren. Gemäß der Aussage „Bildung ist das, was übrig bleibt, wenn man das Gelernte vergessen hat. “ (B. F. Skinner) ist es fast ein Instinkt in welche Richtung man als Fußgänger schauen muß, was ohne nachzudenken abläuft. Wenn man aber wieder einen Schritt zurückgeht ist es so einfach: der Verkehr kommt immer von rechts.

Was die Streuer betrifft habe ich gerade folgendes in der Wikipedia gelesen: „Häufig wird behauptet, dass im deutschsprachigen Raum der Salzstreuer meist mehr Löcher als der Pfefferstreuer aufweist, und sich bei Pfeffer- und Salzstreusets in englischsprachigen Ländern mehrere Löcher in den Pfefferstreuern finden, während der Salzstreuer üblicherweise nur ein einzelnes Loch hat. Dies ist empirisch nicht belegbar – eine Auszählung bei Streuern aus den USA, die vom Hersteller durch einen Aufdruck eindeutig Salz bzw. Pfeffer zugeordnet sind, ergibt statistisch eine Zufallsverteilung der unterschiedlichen Löcheranzahl.“

15 Minuten zu spät

Juni 20, 2007

Am nächsten Montag muß ich um 7.55am bei derArbeit sein (und nicht später). Mittlerweile weiß ich zwar wie lange ich brauche um aus dem Haus zu kommen, doch mir ist es wichtig zu wissen wie lange die U-Bahn braucht, wie lange ich warten muß und ob ich sonst mit irgend etwas rechnen muß. Bei einer Art Probe heute war die U-Bahn gerade abgefahren wodurch sich hier eine obere Schranke von 7min bis zur nächsten feststellen ließ. Die Fahrt dauert 25min und ich brauche weitere 8min vom Bahnsteig bis zur Arbeit. Mit 07.30am an der Haltestelle wäre ich damit am ersten Tag ganze 15min zu spät gekommen.

Beim Vorstellungsgespräch im Januar hatte ich sehr viel Zeit eingeplant, aber wegen einer Störung kam 20min lang keine Bahn und nachdem ich auch noch beinahe von einem Moped angefahren worden wäre, war ich pünktlich auf die Minute da.

Erstes Videospiel verboten

Juni 20, 2007

Aus der heutigen Times

Manhunt2 ist das erste Videospiel seit der Gründung des British Board of Film Classification (BBFC) im Jahr 1984, dem britischen Pendant zur USK, das nicht für den Markt zugelassen wird wegen des willkürlichen Sadismus mit dem das Töten motiviert und durchgeführt wird. Wer versucht das Spiel zu verbreiten kann mit bis zu 6 Monaten Gefängnis und 20000 Pfund Geldstrafe rechnen, der Besitz hingegen ist nicht strafbar – am Zoll kann es bloß beschlagnahmt werden. Ähnliches wäre ohne Anpassungen auch dem Spiel Carmageddon im Jahr 1997 passiert.

In dem Artikel wird am Ende allgemein der Zusammenhang zwischen Spielen und realen Gewalthandlungen angesprochen, Verweise auf Amokläufe oder Forderungen nach generellen Verboten (siehe Beckstein) gibt es aber nicht.

25000 Gefangene kommen frei

Juni 20, 2007

Aus der heutigen Times

Wegen überfüllten Gefängnissen sollen nach einem Notfallplan pro Jahr bis zu 25000 Gefangene vorzeitig aus der Haft entlassen werden, Gewalt- und Sexualverbrechen ausgenommen. Freilassung en, die nächste Woche mit 1800 bis 2000 beginnen, erfolgen nach einer Risikoabschätzung und können wieder aufgehoben werden wenn die auferlegten Bedingungen nicht erfüllt werden. Momentan gibt es 81016 Gefangene die wegen Platzproblemen auch in Gerichten und Polizeistationen untergebracht sind. Vorschläge, Gefängnisschiffe einzurichten oder auf Kasernen auszuweichen, wurden wieder aufgegeben

Leichter trinken mit Alkoholeinheiten

Juni 19, 2007

19.06.

Neben gewöhnungsbedürftigem Bier wird auf der Insel auch Cider produziert, eine Art süßer Apfelwein, der unter prominenten Marken wir Magner’s oder Strongbow vertrieben wird. Die 0,5l Dose Strongbow kostet im Supermarkt übrigens 1£ und hat 5,3% Alkohol. Sie hat einen Aufdruck über die enthaltenen Alkoholeinheiten von 2.6 und gleichzeitig eine Empfehlung von 4 für Männer und 3 für Frauen. Dann kann man sich ja sorglos anderthalb davon am Tag reinkippen.

Barclay’s und der Nazi-Adler

Juni 19, 2007

19.06.

Barclay's Bank Adler

Gestern habe ich mein Konto bei Barclay’s eingerichtet und heute muß ich so etwas in der Times lesen. Die Bank sei Mitbewerber bei dem Kauf von ABN Amro, einem niederländischen Geldinstitut. Wegen der Besatzung durch die Deutschen während WW2 und der unangenehmen Ähnlichkeit wird man ihr Symbol übernehmen.

Der Vorsitzende des Holocaust Educational Trust sagt, ihm käme dieser Zusammenhang noch nie in den Sinn. Darüber hinaus wurde der Adler 1999 und 2004 mehrmalig entschärft und hat sanftere Konturen bekommen. Sowohl das Banklogo als auch der Deutsche Adler, der heute als Bundesadler abgewandelt nach wie vor existiert, blicken auf eine viel längere Vergangenheit zurück. Und ich finde, der Bundesadler ist dem gewissen Anderen viel ähnlicher als der von Barclay’s.

Westminster Abbey

Juni 19, 2007

19.06.

Zu den überwachten Schritten zählte auch die Fahrt zur Westminster Abbey, die am Wochenende geschlossen ist und ich deshalb noch nicht besichtigt hatte. Obwohl seit 1060 (?) sämtliche Krönungszeremonien hier stattgefunden haben, gibt es kein Geld von der Krone oder dem Staat, weshalb der Erhalt hauptsächlich mit den Eintrittsgeldern von 7£ bzw. 10£ finanziert wird. Innen sieht man die Gräber von Queen Mary, einen paar Henries und einigen anderen. Durch die ganzen Büsten, Monumente und Gedenktafeln ist das Gebäude ziemlich überladen, weshalb man nach dem Betreten ein paar Minuten zur Orientierung braucht. Wenigstens ein Name auf dem Boden war mir nicht fremd: Lord Byron, der Autor von Paradise Lost das in Versform von dem Sündenfall erzählt. In elektronischer Variante mit der Vielzahl unbekannter Wörter schwer zu lesen…

Etwas fremd fand ich eine Kapelle für die Royal Air Force und das Grab des unbekannten Soldaten in der Kirche. Letzteres wurde gerechtfertigt als Gleichstellung mit dem König. In der Krypta von St. Pauls sieht es deswegen – ich sage mal – etwas wüst aus. Dort sind Gedenktafeln, Büsten und ähnliches von George Washington über WW2, den ersten NATO-Einsatz und dem ersten Irakkrieg angesammelt. Die US-Amerikaner halten hier zumindest eine gewissen Trennung. Generell ist das ein sensibles Thema für Deutsche, gerade wenn man „für König und Vaterland“ auf die Deutsche Seite des WW2 überträgt.

Meine Schritte werden verfolgt

Juni 19, 2007

19.06.

Bereits im Januar, als ich zum Vorstellungsgespräch in London war, hatte ich mir eine Oyster Card besorgt. Sie wird in allen öffentlichen Verkehrsmitteln (Bus, U-Bahn, DLR) akzeptiert und ist im Gegensatz zu einer normalen Fahrkarte eine Wertkarte, auf die Guthaben geladen werden kann. Es werden nicht nur die Einzelfahrten verbilligt sondern es gibt auch eine Preisobergrenze die bei den Kosten einer Tageskarte liegt. Das heißt, ohne sich vorher festlegen zu müssen bezahlt man nie mehr als für eine Tageskarte fällig wird. Für die Karte wird ein Pfand von 3£ einbehalten und kann an vielen Stationen sowie Geschäften erworben und aufgeladen werden.

Als Tickets gibt es im wesentlichen Einzelfahrscheine und 1- bis 3-Tageskarten. Monatskarten gehen ausschließlich über die Oyster Card. In meinem Fall kostet mich der Weg zur Arbeit und zurück täglich 5£ und eine Monatskarte kostet 105£, das heißt genau so viel wie normale Fahrten an 21 Tagen. Mit Fahrten an den Wochenenden lohnt sich das gerade so. Während aber die Nutzung der Oyster Card bisher anonym war mußte ich mich hierfür mit Namen und Anschrift registrieren. Warum weiß ich nicht, bis auf eventuelle Extradienste und der Möglichkeit sie bei Verlust sperren zu lassen. Damit werden alle Busse mit denen ich fahre und alle U-Bahn-Stationen bei denen ich ein- oder aussteige registriert.

Dies & Das (Bank, Mietvertrag, Einkaufen)

Juni 18, 2007

18.06.

Da die Deutsche Bank mit Barclay’s in England zusammenarbeitet (hier kann ich kostenlos Bargeld von meinem deutschen Konto abheben) und eine Filiale gleich um die Ecke ist, habe ich dort mein Gehaltskonto eröffnet. Die Angestellte wurde scheinbar vor kurzem erst zur Bankangestellte befördert (auf der Visitenkarte steht noch Kassiererin) und hat erst einmal meine Adresse und die Echtheit des Ausweises validiert – in UK gibt es keine Meldepflicht. Nach ein paar Minuten bat sie mich in ihr Büro und fragte mich, ob ich damit verreisen kann und hat über das Telefon versucht die Sicherheitsmerkmale zu identifizieren. Nachdem ich zusätzlich meinen Reisepass geholt hatte konnte das Konto eröffnet werden. Nach der Eingabe der Adresse, des Einkommens und der geplanten Ausgaben hat das System entschieden, ob ich ein Konto haben darf, was einen etwas lächerlichen Eindruck gemacht hat und wahrscheinlich nur auf eine positive Differenz prüft ;-) . Es hat alles geklappt und ich bekomme sogar ein Scheckbuch!

Ein Tipp zum Busfahren: Wenn man oben ganz vorne sitzt, dann nie nach unten schauen, sonst wird man wahnsinnig bei dem Fahrstil! Autos scheinen teilweise verschluckt zu werden :-D .

Bei dem Vermieter habe ich den Mietvertrag ein paar Mal unterschrieben und eine Inventarliste bekommen, dich ich prüfen soll und am Donnerstag kommt die Angestellte vorbei um das zu finalisieren. Die Stromabrechnung finde ich sehr interessant: Der Zähler arbeitet auf Guthabenbasis. Man hat eine Anzeige über das vorhandene Guthaben, das über das Einstecken einer Wertkarte erhöht werden kann. In ganz dringenden Fällen gibt es einen Knopf mit „Emergency Credit“. Zudem hat mir das Wasserwerk am 12.Juni adressiert an die Wohnungsnummer geschrieben und darum gebeten den Einzugstermin mitzuteilen, ansonsten wird das Wasser nach 7 Tagen abgedreht. Ich hoffe, die Dusche geht morgen noch…

Ansonsten habe ich bei Sainsbury ein paar Sachen fürs Bad und Waschmittel gekauft. Ich habe noch nie zuvor eine Waschmaschine benutzt…

Falkland 25

Juni 18, 2007

17.06.

Nach der Speaker’s Corner bin ich zum Buckingham Palace. Viele haben sich mit einem Polizisten direkt davor fotografieren lassen, während auf dem abgesperrten Hof ein weiterer mit dem Finger am Abzug seiner MP5 stand. Zur Zeit wird der Geburtstag der Queen gefeiert (er findet an einem ganz anderen Termin statt) so daß auf der Mall um 4pm eine Parade stattfand. Die nicht weit entfernte Straße Pall Mall hat ihren Namen von einem Spiel namens paille-maille, das Franzosen ursprünglich dort gespielt haben. Nach der Verlegung auf die Staße vor dem Buckingham Palace wurde diese kurz Mall genannt. Sie führt vom Buckingham Palace zum Trafalgar Square. An ihr sind Regierungsgebäude angesiedelt (auch die Horse Guards) und wird für Paraden zu Krönungen oder königlichen Hochzeiten genutzt. Bei der Parade, die etwas mit 25 Jahre Falkland zu tun hatte, sind Soldaten und Veteranen aufmaschiert, begleitet von Marschmusik. Panzer sind zwar keine aufgefahren, aber verschiedene Typen von Hubschraubern und Flugzeugen sind anschließend in Formation vorbeigeflogen. Den Abschluß bildeten fünf Jäger, die blaue, weiße und rote Rauchwolken erzeugt haben.