Archiv für Juni 2007

Meine erste Woche – Pizza und Sekt

Juni 30, 2007

Während der Vorträge habe ich mir ernsthaft überlegt, ob ich mit normalen Hosen und einem etwas sportlichen Hemd nicht doch unangemessen gekleidet bin. Für mich war das schon eine starke Veränderung, wer mich unrasiert mit Lederhose und T-Shirt von der Uni kennt. Alle Angestellten auf dem Stockwerk tragen etwas formellere Kleidung mit Schlips, obwohl sie den ganzen Tag im Büro sind. Am Donnerstag war ich sehr beruhigt als ich endlich in meine Abteilung kam wo einige nicht ganz so frisch rasiert oder mit einem normalen T-Shirt unterwegs sind. Mein Teamleiter ist auch ziemlich locker drauf. Die anderen haben sich beschwert, daß er seit Wochen von nichts anderem als seinem neuen Motorrad erzählen würde ;-) .

Am Freitag gab es das vierteljährliche, von der Firma bezahlte Pizzalunch für die gesamte Abteilung. Um 11.55am kam der Pizzamann von Dominos mit einer Sackkarre voller Schachteln durch das Stockwerk gelaufen und hat sie an verschiedenen Punkten verteilt. Jeder hat vorher einen Pappteller bekommen und konnte sich formlos überall bedienen.

Gegen 05.00pm sind plötzlich aus allen Richtungen Leute in Richtung Cafeteria geströmt, wo zu einem bestimmten Anlaß kostenlos Sekt an jeden verteilt wurde. Den genauen Grund kenne ich zwar nicht, es hatte aber etwas mit dem Übertreffen von gesetzten Unternehmenszielen zu tun gehabt. Das ist auch eine Art der Motivation.

Ich schaue immer merkwürdig wenn ich weiß, daß ich fotografiert werde. Vielleicht habe ich auch etwas zugenommen…

Ausweis

Ich mit Ausweis

Meine erste Woche – Einführung

Juni 30, 2007

Nach dem ersten Tag fanden entsprechend der Abteilung der man zugeordnet ist Vorträge über das Bloomberg Terminal statt. Jeder benutzt das System unterschiedlich, so ist eine Abteilung für die Aktualität und Richtigkeit der bereitgestellten Daten verantwortlich und eine andere für den Verkauf bzw. den Kundenservice. Da ich in Research&Development (kurz R&D) bin, fanden bis Donnerstag eine Reihe von Vorträgen über den technischen Hintergrund, den Aufbau und das Bereitstellen von Anwendungen statt, ergänzt durch praktische Übungen. Wegen mangelnder Standards zum Zeitpunkt der Umsetzung einer Funktion wurde sehr viel im Unternehmen selbst entwickelt, insbesondere während der Anfangszeit. 1982, als das Bloomberg Terminal gestartet wurde, das bis heute Kernprodukt und Rückgrat sämtlicher Dienste ist, war das Internet noch über ein Jahrzehnt entfernt.

Am Donnerstag Nachmittag habe ich schließlich erfahren welchem Team ich zugeordnet bin. Im weiteren Sinne ist das “Trading Systems” und genauer “Batch Feeds”, was mit dem regelmäßigen Erzeugen von aggregierten Daten für verschiedene Kunden zu tun hat. Meine Aufgabe ist noch ziemlich unspektakulär und besteht nach dem Erlernen von Perl (bisher keine Ahnung davon gehabt) in dem Verarbeiten zweier Textdateien. Wie es auch an der Uni sein sollte reicht das bloße Lösen des Problems nicht aus, sondern das Programm soll auch effizient arbeiten. Noch wichtiger ist das für viele Funktionen im System, die komplex sind und sehr oft am Tag aufgerufen werden, denn die Reaktionszeit ist für den Kunden, beim Anzeigen eines Kursverlaufes zum Beispiel, sehr kritisch. Im Januar fand ich es ziemlich faszinierend wie schnell die Daten für einen bestimmten Wert und über einen bestimmten Zeitraum verfügbar waren.

Mein erster Tag

Juni 27, 2007

Nein, ich habe mir noch nichts angetan ;-) . Bei Arbeitszeiten vom 8am bis 6pm, inklusive einer Stunde Mittagspause, hatte ich bisher keine große Lust gehabt diesen Beitrag fertigzustellen. Deshalb ein kurzer Abriss des ersten Tages. Zum Wochenende kommt noch etwas über diese Woche hinzu, sowie was Bloomberg eigentlich ist und was hier gemacht wird.

Am Montag war es nun endlich so weit. Nach dem Bewerbungsgespräch im Januar, der Zusage in der darauffolgenden Woche, dem Papierkram, der Wohnungssuche im Mai, dem Umzug am vorletzten Wochenende und der ersten Woche Eingewöhnung in der Hauptstadt Englands und dem “Vereinigten Königreich von Großbrittanien und Nordirland” ging es endlich los. Zwei Wecker waren extra früh gestellt damit ich an meinem ersten Tag bloß nich zu spät komme, denn im Januar wurde es ziemlich knapp als 20min lang einfach so keine U-Bahn vorbeikam. Ohne Zwischenfälle bei der Haltstelle Moorgate angekommen fand ich mich eine halbe Stunde zu früh im Starbucks um die Ecke bei einer Tasse heißen, leckeren, schwarzen, so richtig heißen Kaffee wieder. Schließlich bin ich um 7.40am zu Bloomberg hinübergelaufen wo sich bereits einige angehende Praktikanten in der Lobby befanden. Mir war die Kleidung recht locker (am ehesten als smart casual zu bezeichnen) in Erinnerung, weshalb ich mich entsprechend gekleidet hatte mit einer normalen Hose und einem kurzen Hemd, sonst nichts weiter. Der Abteilungsleiter saß mir damals mit einem strammen T-Shirt gegenüber. Ich kam mir hier etwas daneben vor, denn bis auf vielleicht vier weitere trugen allen anderen Anzüge bzw. Kostüme…

In dem Gebäude wird sehr viel Wert auf Sicherheit (mehr im Sinne von “security” als “safety”) gelegt, weshalb jedes Individuum einen Ausweis tragen muß. Sämtliches angestelltes Personal muß ständig und offen sichtbar seine Karte mit Name und Foto tragen womit auch das Verlassen und Betreten des Gebäudes unter Aufsicht registriert wird. Im Eingangsbereich sind deshalb um die vier Sicherheitsleute postiert, aber unauffällig und verteilt. Bei dem Bewerbungsgespräch im Januar habe ich einen nicht-elektronischen Gastausweis inkl.direkt aufgenommenem Foto bekommen, mit dem man sich nur in Begleitung von Mitarbeitern bewegen darf. Dergleiche wurde für den ersten Tag wiederholt ausgestellt. Die erste Handlung war daher das Erstellen eines neuen Fotos für den permanenten Ausweis zur freien Bewegung und zum Öffnen der wenigen Türen. Anschließend gab es ein kleines Frühstücksbuffet mit Kaffee, Saft, Croissants und ähnlichem bei dem man schon mit den ersten Leuten ins Gespräch kommen konnte. Eine sehr gute Idee fand ich den “Eisbrecher”: Jeder hat einen Bogen mit fünf Fragen, darunter wer am nahesten zu einen wohnt oder wer auf dergleichen Hochschule war, bekommen, den man durch Reden mit den Praktikanten ausfüllen sollte. Das war eine gute Gelegenheit ein paar Leute etwas näher kennezulernen und etwas mehr übereinander zu erfahren.

Bis zum Mittagessen gab es, begleitet von Pausen, kurze Vorträge über die Bezahlung (sowie dem damit verbunden Papierkram wie Bankdetails, das P45, P46, P38 und P86 :-D ), die Sicherheit im Gebäude, sowie was es heißt bei Bloomberg zu arbeiten und wie sich das Unternehmen und die Mitarbeiter selbst sehen. Doch darüber später mehr.

Zur Mittagspause wurde ein Buffett mit Sandwiches organisiert. Es gibt zwar eine Art Cafeteria, in der es Getränke, Obst, Chips, Instantsuppen und kleine Snacks gibt – und das auch noch gratis – aber um das Mittagessen muß man sich selbst kümmern. In der Nähe gibt es aber genug Läden mit einer guten Auswahl. Der Nachmittag wurde mit einem Rundgang durch die verschiedenen Abteilungen und einer Einführung in das Bloomberg Terminal – dem Killerprodukt und kurz “The Bloomberg” genannt – begonnen bis die große Masse schließlich in kleinere Gruppen entsprechend ihrer Abteilungen aufgeteilt wurden.

Insgesamt sind wir 89 Leute und im Juli kommen 20 weitere hinzu, die unter anderen in den Bereichen Research & Development (R&D), Data, Sales, Human Resources, Print News und Broadcast News arbeiten. Das Angebot ist sehr breit gefächert was bis zu einer Abteilung für Philanthropy reicht, in der z.B. eine Kunststudentin ein Praktikum absolviert. Denn mit einem Teil des erwirtschafteten Gewinns werden öffentliche Projekte unterstützt, aber auch die Angestellten werden selbst tätig, so daß für die Praktikanten mindestens ein Tag fest eingeplant ist um eine Grundschule zu streichen. Wir werden in großem Maße wie normale Angestellte behandelt, nicht nur durch solche Veranstaltungen, sondern auch durch das Übertragen von Verantwortung oder Wahrnehmen von Kundenbesuchen. Auch gefördert durch die flache Hierarchie, in der es wenige Titel gibt, wird man ernst genommen, das heißt wenn jemand eine gute Idee hat die dem Unternehmen etwas bringt spielt es keine Rolle welche Position man inne hat. Doch wie gesagt, über die Kultur gibt es später mehr.

Weitere Bilder

Juni 24, 2007

Damit das hier nicht so trocken ist habe ich die bisher geschossenen Bilder aussortiert und bei flickr hochgeladen (runterskaliert auf 640×480). Wenn man Lust hat, kann man dort sehr viel Zeit verbringen – insbesondere was die Metadaten betrifft, das heißt zusätzliche Informationen wie Thema, Inhalt, Schlagworte, Ort etc. Sie sind immerhin in Alben sortiert und jedes einzelne ist nach bestem Wissen mit der Weltkarte assoziiert, aber Einzelbeschreibungen gibt es (noch) keine. Bei neuen Bildern werde ich ebenfalls versuchen, die Ortsinformationen anzugeben, was ich hier auch ankündigen werde.

Hier eine Auswahl:
Falkland 25Big BenTate ModernSt. Bartholomew the Great

Falkland 25cctv

Apartmentbilder

Juni 22, 2007

Hier sind ein paar Bilder des Apartments von außen und von innen. Es ist ziemlich geräumig und liegt in einer äußerst ruhigen Seitenstraße nur 5min von der U-Bahn Haltestelle entfernt.

Appartment 1Drinnen 2Strasse 1Strasse 2Strasse 3

Videoüberwachung wird mobil

Juni 22, 2007

Aus der heutigen Times

In Glastonbury findet dieses Wochenende ein großes Musikfestival statt, zu dem 137500 Wochenendtickets verkauft wurden und 2000 Auftritte angesetzt sind. Gleichzeitig dient es als Testfeld für ein neues von der Firma Reveal Media für die Polizei entwickeltes Überwachungssystem. Die Polizisten sind mit einer Schulterkamera, einem Aufnahmegerät und einem Sender ausgerüstet, der ständig aktuelle Bilder zur Überwachungseinheit überträgt. Der Vorgesetzte bekommt zusätzlich die Position der Beamten angezeigt, die ein Ortungsgerät in der Jacke eingenäht haben.

Der Artikel konzentriert sich auf Konsumenten von Cannabisprodukten auf dem Festival, die von den anwesenden Polizisten bisher ignoriert worden sind, da sie für andere Zwecke dort sind (Diebstahl, …). Doch bei ständiger Beobachtung und Kontrolle durch den Vorgesetzten müssen sie aktiv werden um Ärger zu vermeiden.

Vielleicht kann jemand dazu seine Eindrücke von Rock Am Ring dieses Jahr schildern.

Bloomberg for President

Juni 22, 2007

Der Gründer des Unternehmens Bloomberg, Michael Bloomberg, wo ich auch das Praktikum verrichten werde, ist momentan Bürgermeister von New York City. Laut der gestrigen Times spekuliere er darüber, als unabhängiger Kandidat bei den Präsidentschaftswahlen 2008 in den USA anzutreten. Die Wahlkämpfe werden durch Spenden finanziert und als 142-reichster Mann der Welt mit einem geschätzten Vermögen von $5,5 Milliarden kommt er locker gegen die Zielsumme von jeweils $500 Millionen des Kandidaten der Demokraten bzw. Republikaner an. Mit seinen gemäßigten Ansichten habe er gute Chancen sich gegen Hillary Clinton (Demokraten) und wahrscheinlich Rudolph Giuliani (Republikaner), dem ehemaligen Bürgermeister von New York City, durchzusetzen.

Bei den Wahlen 1992 hatte der Unabhängige Ross Perot 19% der Stimmen bekommen.

Der Tag

Juni 21, 2007

0625 aufgestanden und wieder den Weg zur Arbeit getestet, dabei im Lesen vertieft zwei Stationen zu weit gefahren.

0905 die Kontoeröffnung bei der Bank finalisiert

1040 kam von dem Immobilienbüro jemand vorbei und hat die unterschriebene Inventarliste mitgenommen. Jetzt darf ich nichts mehr kaputtmachen.

1215 Besuch des tkts beim Leicester Square, wo es verbilligt Theaterkarten für Vorstellungen am selben Tag gibt. Die Vergabe erfolgt der Reihe nach ohne Sonderwünsche.

1400 ca. Besuch des „Tate Modern„. Es ist eine Erweiterung des Museums „Tate Britain“ die 2000 eröffnet wurde und an einem Ende der Millenium Bridge liegt – eine Fußgängerbrücke die anläßlich der Jahrtausendwende gebaut wurde. Im Museum läuft bis Anfang September eine Ausstellung über Salvador Dali mit Gemälden und ihrer Beziehung zu seinen filmischen Werken, von denen vier sowie eine von ihm erstellte Traumszene aus einem Alfred Hitchcock Film zu sehen sind. Der erste, „Ein Andalusischer Hund“ ist noch stumm und beginnt mit einer Szene in der das Auge einer Frau zerschnitten wird. Der Rest ist etwas verstörend (wie erwartet) und schwer ohne weiteres Studium zu verstehen. In einem anderen wurde die Idee für einen kurzen Zeichentrickfilm („Destino„) wieder aufgeschnappt, der damals zu obszönes Material enthalten sollte und erst 2003 (nach seinem Tod) verwirklicht wurde. Für mich ist er hektisch und überladen, so daß man ihn sich ein paar Mal ansehen muß. Die Ausstellung ist eine gute Ergänzung zum Dalimuseum in der County Hall, gegenüber von Riesenrad London Eye, die zwar viele für mich weniger interesante Zeichnungen, aber dafür eine paar Skulpturen mehr enthält.

1630 kurz nach Hause

1900 Musical

Englische Zurückhaltung

Juni 21, 2007

Allgemein gelten Engländer als sehr reserviert. Es gibt die Geschichte von einem Reiter der zwei Tage lang in der Wüste unterwegs war ohne jemandem zu begegnen. Dann erkennt er in der Ferne einen Landsmann auf sich zukommen und überlegt wie er reagieren soll ohne aufdringlich zu sein und ob bzw. was er sagen soll. Als sie sich schließlich begegnen zücken beide bloß ihren Hut, nicken sich einander zu und reiten weiter.

Das ist schon einige Jahrzehnte (Jahrhunderte?) her.

Heute ist eine Frau beim Einsteigen in die U-Bahn mitten in den Wagen hineingestürzt. Sofort sind alle direkt umgebenden Mitreisenden aufgestanden um zu sehen was passiert ist und wie sie helfen können. Die Frau war mit dem Fuß außen an einer Metallleiste hängengeblieben was zu einer stark blutenden Wunde geführt hat. Mit einer Menge Taschentüchern, einer Plastiktüte, einer Strumpfhose und einem Halstuch wurde sie versorgt so gut es ging und jemand hat eine Wasserflasche zum Säubern ausgepackt. Jeder half so gut er konnte. So einen Vorfall sieht man zwar ziemlich selten, aber von zu Hause würde ich erwarten, daß die Anwesenden wesentlich zurückhaltender reagiert bzw. erst einmal abgewartet hätten.

Eröffnung (nachgeholt)

Juni 20, 2007

Vor zwei Tagen, als ich die ersten Ergüsse eingestellt hatte, fehlte dieser obligatorische Eintrag.

Hallo!

Ich habe geöffnet.

Hier wird gepostet, was mir widerfährt und was ich interessant finde. Die Folgerung: vieles wird wahrscheinlich belanglos sein. Trotzdem werde ich mich freuen, wenn du ab und an mal vorbeischaust (ich sehe das an Hand der Stats!) und vielleicht einen Kommentar hinterläßt. Egal ob es bessergewußt ist (je besser um so besser) oder bloß ein Einfall zu dem Thema ist: Hinschreiben! Denn das ist Web 2.0 und du möchtest doch nicht von gestern sein, oder? Außerdem stellt es eine Bereicherung für die anderen Besucher dar.

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