Nein, ich habe mir noch nichts angetan
. Bei Arbeitszeiten vom 8am bis 6pm, inklusive einer Stunde Mittagspause, hatte ich bisher keine große Lust gehabt diesen Beitrag fertigzustellen. Deshalb ein kurzer Abriss des ersten Tages. Zum Wochenende kommt noch etwas über diese Woche hinzu, sowie was Bloomberg eigentlich ist und was hier gemacht wird.
Am Montag war es nun endlich so weit. Nach dem Bewerbungsgespräch im Januar, der Zusage in der darauffolgenden Woche, dem Papierkram, der Wohnungssuche im Mai, dem Umzug am vorletzten Wochenende und der ersten Woche Eingewöhnung in der Hauptstadt Englands und dem “Vereinigten Königreich von Großbrittanien und Nordirland” ging es endlich los. Zwei Wecker waren extra früh gestellt damit ich an meinem ersten Tag bloß nich zu spät komme, denn im Januar wurde es ziemlich knapp als 20min lang einfach so keine U-Bahn vorbeikam. Ohne Zwischenfälle bei der Haltstelle Moorgate angekommen fand ich mich eine halbe Stunde zu früh im Starbucks um die Ecke bei einer Tasse heißen, leckeren, schwarzen, so richtig heißen Kaffee wieder. Schließlich bin ich um 7.40am zu Bloomberg hinübergelaufen wo sich bereits einige angehende Praktikanten in der Lobby befanden. Mir war die Kleidung recht locker (am ehesten als smart casual zu bezeichnen) in Erinnerung, weshalb ich mich entsprechend gekleidet hatte mit einer normalen Hose und einem kurzen Hemd, sonst nichts weiter. Der Abteilungsleiter saß mir damals mit einem strammen T-Shirt gegenüber. Ich kam mir hier etwas daneben vor, denn bis auf vielleicht vier weitere trugen allen anderen Anzüge bzw. Kostüme…
In dem Gebäude wird sehr viel Wert auf Sicherheit (mehr im Sinne von “security” als “safety”) gelegt, weshalb jedes Individuum einen Ausweis tragen muß. Sämtliches angestelltes Personal muß ständig und offen sichtbar seine Karte mit Name und Foto tragen womit auch das Verlassen und Betreten des Gebäudes unter Aufsicht registriert wird. Im Eingangsbereich sind deshalb um die vier Sicherheitsleute postiert, aber unauffällig und verteilt. Bei dem Bewerbungsgespräch im Januar habe ich einen nicht-elektronischen Gastausweis inkl.direkt aufgenommenem Foto bekommen, mit dem man sich nur in Begleitung von Mitarbeitern bewegen darf. Dergleiche wurde für den ersten Tag wiederholt ausgestellt. Die erste Handlung war daher das Erstellen eines neuen Fotos für den permanenten Ausweis zur freien Bewegung und zum Öffnen der wenigen Türen. Anschließend gab es ein kleines Frühstücksbuffet mit Kaffee, Saft, Croissants und ähnlichem bei dem man schon mit den ersten Leuten ins Gespräch kommen konnte. Eine sehr gute Idee fand ich den “Eisbrecher”: Jeder hat einen Bogen mit fünf Fragen, darunter wer am nahesten zu einen wohnt oder wer auf dergleichen Hochschule war, bekommen, den man durch Reden mit den Praktikanten ausfüllen sollte. Das war eine gute Gelegenheit ein paar Leute etwas näher kennezulernen und etwas mehr übereinander zu erfahren.
Bis zum Mittagessen gab es, begleitet von Pausen, kurze Vorträge über die Bezahlung (sowie dem damit verbunden Papierkram wie Bankdetails, das P45, P46, P38 und P86
), die Sicherheit im Gebäude, sowie was es heißt bei Bloomberg zu arbeiten und wie sich das Unternehmen und die Mitarbeiter selbst sehen. Doch darüber später mehr.
Zur Mittagspause wurde ein Buffett mit Sandwiches organisiert. Es gibt zwar eine Art Cafeteria, in der es Getränke, Obst, Chips, Instantsuppen und kleine Snacks gibt – und das auch noch gratis – aber um das Mittagessen muß man sich selbst kümmern. In der Nähe gibt es aber genug Läden mit einer guten Auswahl. Der Nachmittag wurde mit einem Rundgang durch die verschiedenen Abteilungen und einer Einführung in das Bloomberg Terminal – dem Killerprodukt und kurz “The Bloomberg” genannt – begonnen bis die große Masse schließlich in kleinere Gruppen entsprechend ihrer Abteilungen aufgeteilt wurden.
Insgesamt sind wir 89 Leute und im Juli kommen 20 weitere hinzu, die unter anderen in den Bereichen Research & Development (R&D), Data, Sales, Human Resources, Print News und Broadcast News arbeiten. Das Angebot ist sehr breit gefächert was bis zu einer Abteilung für Philanthropy reicht, in der z.B. eine Kunststudentin ein Praktikum absolviert. Denn mit einem Teil des erwirtschafteten Gewinns werden öffentliche Projekte unterstützt, aber auch die Angestellten werden selbst tätig, so daß für die Praktikanten mindestens ein Tag fest eingeplant ist um eine Grundschule zu streichen. Wir werden in großem Maße wie normale Angestellte behandelt, nicht nur durch solche Veranstaltungen, sondern auch durch das Übertragen von Verantwortung oder Wahrnehmen von Kundenbesuchen. Auch gefördert durch die flache Hierarchie, in der es wenige Titel gibt, wird man ernst genommen, das heißt wenn jemand eine gute Idee hat die dem Unternehmen etwas bringt spielt es keine Rolle welche Position man inne hat. Doch wie gesagt, über die Kultur gibt es später mehr.